Drogendrama "Ben Is Back" Die Epidemie erreicht die Vorstadt

Lucas Hedges als Suchtkranker, Julia Roberts als seine Mutter - klingt Oscar-verd??chtig. Vor allem aber ist "Ben Is Back" ein packendes Drama ??ber den Schrecken der Opiatkrise in den USA. Unser Film der Woche.

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Ben ist zur??ck! ??berraschend stattet er seiner Familie einen Weihnachtsbesuch ab. Vor allem Mama Holly (Julia Roberts) wei?? sich vor Freude kaum zu fassen. Aber etwas stimmt nicht. Bens Schwester Ivy scheint sich eher zu f??rchten als zu freuen, Holly beginnt hektisch, die Medikamente im ganzen Haus zu verstecken.

Der junge Mann kommt n??mlich nicht aus dem Studentenwohnheim nach Hause, sondern von einem Wohnprojekt f??r Suchtkranke. Er sei auf einem guten Weg, behauptet Ben (Lucas Hedges), der Leiter des Projekts habe ihn deshalb f??r den Weihnachtsbesuch gehen lassen. Gut drauf scheint er zu sein, tollt mit seinen Stiefgeschwistern im Schnee und spielt Ukulele.

Aber die Vergangenheit, und das ist das Gro??artige an dem packenden Drama "Ben Is Back", ist auch in der Gegenwart lebendig. Man erahnt durch das schockierte Verhalten von Ivy (Kathryn Newton) und Bens Stiefvater Neal (Courtney B. Vance), welche Albtr??ume Bens Opiatabh??ngigkeit seiner Familie beschert haben muss, durch welche Tiefen der Angst, des Schmerzes und der Wut sie mit ihm gegangen sind. "Ben Is Back" spart sich die dramaturgische Last von R??ckblenden in die Vergangenheit. Alles erkl??rt sich aus dem Jetzt der Geschichte. Mehr sogar, als es zun??chst den Anschein hat.

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"Ben Is Back": In der Mitte der Gesellschaft

Zun??chst kommt "Ben Is Back" wie ein klassisches Familiendrama daher. Die Familie, um die es hier geht, lebt gut situiert an der Ostk??ste, klobiges SUV und Haus mit un??berschaubarer Zimmerzahl inklusive. Der Nachwuchs singt im Kirchenchor, die Nachbarn schm??cken ihre Vorg??rten weihnachtlich, man kennt sich. Die Fallh??he ist also gesetzt, jetzt kann die Katastrophe kommen.

Profane Wurzel der Drogensucht

Sie kommt auch - aber anders, als gedacht. Denn Ben, freundlich, offen, charismatisch, geh??rt ganz offensichtlich hierher. Die landl??ufigen Klischees des Drogens??chtigen erf??llt er nicht: keine vernarbten Einstichwunden, kein flackernder Blick. Dieser gro??e Junge hat nicht gegen eine verlogene Welt rebelliert und ist dabei abgest??rzt.

Die Wurzel seiner Drogensucht ist viel profaner, wie der Zuschauer bei einem Einkaufsbummel erf??hrt. Dort begegnen Ben und Holly einem ??lteren Ehepaar, er offensichtlich dement, und die so einnehmende und nette Holly zischt dem hilflosen alten Mann ins Ohr: "Ich hoffe, dass Sie in der H??lle schmoren." Der Mann war fr??her Arzt und hat Ben nach einem Snowboardunfall ein Schmerzmittel verschrieben, ein Opioid, harmlos angeblich. So wie Tausende ??rzte Tausenden Amerikanern.


"Ben Is Back"
USA 2018
Regie: Peter Hedges
Drehbuch: Peter Hedges
Darsteller: Julia Roberts, Lucas Hedges, Courtney B. Vance, Kathryn Newton, Mia Fowler, Jakari Fraser, Michael Esper, David Zaldivar, Rachel Bay Jones, Alexandra Park
Produktion: Black Bear Pictures
Verleih: Tobis
FSK: ab 12 Jahren
L??nge: 103 Minuten
Start: 10. Januar 2019


Mehr als 72.000 Menschen starben 2017 in den USA an einer ??berdosis, Hunderttausende sind von Schmerzmitteln mit Fentanyl oder Oxycodon abh??ngig. Es ist eine Epidemie, die in der Mitte der Gesellschaft w??tet. Die Sucht h??lt Ben noch immer gefangen. 24 Stunden am Tag hat er an ihrer Seite zu bleiben, verlangt Holly, und er willigt ein, aber er sagt auch: "Du kennst mich nicht" und: "Du darfst mir nicht vertrauen, niemals".

Es ist nat??rlich nur eine Frage der Zeit, bis seine Vergangenheit Ben einholt, und wenn sich "Ben Is Back" im letzten Drittel zu einem nervenzerrenden Thriller entwickelt und Holly auf der Suche nach ihrem Sohn durch die dunklen Ecken der Kleinstadt irrt, dann wirkt dieser Film endg??ltig wie von einer kalten Wut getrieben. Es ist, als bei??e er dramaturgisch immer fester die Z??hne zusammen angesichts dieser Epidemie, die auch mit den widerstrebenden Kr??ften in den seit Jahren wie unter Hochspannung stehenden USA zu tun hat.

Hei??e Oscar-Kandidaten

"Wenn Ben schwarz w??re", so Hollys zweiter Mann Neal, der schwarz ist, "dann s????e er jetzt im Gef??ngnis." Und Ben selbst ist ??berzeugt: "Die Regierung k??mmert das einen Schei??dreck" und: "Wenn du in dieser Situation arm bist, kann dir nur noch Gott helfen."

In "Ben Is Back" packt der Regisseur und Drehbuchautor Peter Hedges die gestaute Wut ??ber unhaltbare Zust??nde in ein intensives Kinodrama. Drahtig und direkt wirkt dieser Film, ohne formalistische Spielereien und ??berh??hungen. Hedges bereitet so seinen beiden grandiosen Hauptdarstellern die B??hne.

Im Video: Der Trailer zu "Ben Is Back"

Julia Roberts l??uft derzeit ohnehin zu neuer Hochform auf, nach der ??berw??ltigenden Serie "Homecoming" (Amazon Prime) legt sie hier ihren zweiten gro??en Auftritt hin. Und Lucas Hedges ("Manchester By The Sea"), der Sohn des Regisseurs, stellt erneut unter Beweis, warum ihm viele in der Branche eine gro??e Zukunft vorhersagen. Niemand in seinem Alter spielt sensible, verunsicherte M??nner so vielschichtig wie er. Beide werden f??r ihre Rollen zu Recht als hei??e Kandidaten auf einen Oscar bei der Verleihung am 24. Februar gehandelt.



insgesamt 4 Beitr??ge
Alle Kommentare ??ffnen
Seite 1
Avagin Ste des infertiles 11.01.2019
1. Mild
Super. Mutti auf Oscarfahrt. Ich liebe die Hinwendungen des Erfolgs. Es ist so mild.
Neust??dter_02 11.01.2019
2. Ehrlich...
Zitat von Avagin Ste des infertilesSuper. Mutti auf Oscarfahrt. Ich liebe die Hinwendungen des Erfolgs. Es ist so mild.
Als Sie sich noch "Heiliger Knacks" genannt haben ("Saint Craque"), waren Ihre Beitr??ge nachvollziehbarer. Wozu die ??nderung des Alias?
TS_Alien 12.01.2019
3.
Solche Filme schaue ich mir grunds??tzlich nicht an. Die wimmeln von gef??hlsduseligen und nervigen Szenen. Wer wirklich wissen will, wie schlimm die Drogenproblematik in den USA (und anderswo) ist, der sollte sich Dokumentationen dar??ber anschauen.
Avagin Ste des infertiles 13.01.2019
4. Merci
Zitat von Neust??dter_02Als Sie sich noch "Heiliger Knacks" genannt haben ("Saint Craque"), waren Ihre Beitr??ge nachvollziehbarer. Wozu die ??nderung des Alias?
Ihre Unfruchtbarkeit best??tigt die Relevanz meines Patronats.
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