Fu??ball-Biopic "Trautmann" Der Krieg zeigt keine??Spuren

Vom Fallschirmj??ger zum englischen Pokalhelden: Marcus H. Rosenm??ller verkitscht in seinem Filmportr??t die Geschichte von Torwartlegende Bert Trautmann und spielt dessen Nazivergangenheit herunter.

SquareOne Entertainment

Ein Wehrmachtssoldat, gefeiert in England - wenige Jahre nach Kriegsende. Was unwahrscheinlich klingt, machte der Fu??ball m??glich. Am 5. Mai 1956 l??uft im Londoner Wembley-Stadion vor 100.000 Zuschauern das FA-Cup-Finale zwischen Manchester City und Birmingham City, als sich Bert Trautmann unsterblich macht.

In der 75. Minute st??rmt ein Angreifer auf Manchesters deutschen Torwart zu, trifft ihn aus vollem Lauf mit dem Knie im Nacken. Trautmann bleibt liegen, wird behandelt, rappelt sich auf. Er spielt weiter, weil Auswechslungen noch nicht erlaubt sind. Dank seiner Paraden gewinnt Manchester 3:1, Trautmann stemmt den Pokal in die H??he. Erst Tage sp??ter folgt die Diagnose: Genickbruch.

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"Trautmann": Von wegen Glanzparade

Der Deutsche, der seinem Team in Todesgefahr zum Sieg verhilft und im selben Jahr zu Englands Fu??baller des Jahres gew??hlt wird: ein Stoff, wie erdacht von Hollywood-Autoren und nun tats??chlich auf der gro??en Leinwand - wenn auch eine Nummer kleiner, unter der Regie von Marcus H. Rosenm??ller.

Der Filmemacher aus Tegernsee arbeitete sich bislang an seiner Heimat ab, deb??tierte mit der Lausbubenkom??die "Wer fr??her stirbt ist l??nger tot" und schuf anschlie??end eine Trilogie ??bers Aufwachsen in der oberbayerischen Provinz. Nun wagt er sich au??er Landes, gar ??ber den ??rmelkanal, hinein ins industriell gepr??gte Nordengland der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Rundes Leder, sch??ne Frau

Bert Trautmann (David Kross), der eigentlich Bernhard hei??t, landet als Kriegsgefangener in Ashton-in-Makerfield, einer Kleinstadt zwischen Liverpool und Manchester. Hier sollen deutsche Soldaten entnazifiziert und aufs Leben in der Demokratie vorbereitet werden. Je nach Gesinnung stuft man sie in eine von drei Kategorien ein: "Schwarz" steht f??r ??berzeugte Nationalsozialisten, "wei??" f??r Regimegegner, "grau" f??r die Mitl??ufer.

Trautmann h??lt sich zur??ck, l??sst sich aber vom herablassenden Lagerkommandanten wenig sagen. Eine fr??he Szene f??hrt ihm zu, was die Filmfigur f??r die n??chsten zwei Stunden in Atem halten wird: das runde Leder sowie die sch??ne Margaret (Freya Mavor), passenderweise Tochter des lokalen Fu??balltrainers, der gerade dringend einen neuen Torwart ben??tigt.


"Trautmann"
Deutschland, Gro??britannien, Irland 2018
Regie: Marcus H. Rosenm??ller
Drehbuch: Marcus H. Rosenm??ller, Nicholas J. Schofield
Darsteller: David Kross, Freya Mavor, John Henshaw
Verleih: SquareOne Entertainment
L??nge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 14. M??rz 2019


Es kommt, wie es kommen muss: Die anfangs st??rmische Ablehnung weicht bei Margaret schnell einer Schw??rmerei, zugleich avanciert Trautmann zum Star des St. Helens Town AFC. Manchester City verpflichtet "Traut the Kraut", was zu heftigen Debatten unter den Anh??ngern f??hrt, bis ausgerechnet der Rabbi von Manchester daf??r wirbt, dem neuen Torwart eine Chance zu geben und ihn "nach seinem pers??nlichen Wert" zu beurteilen.

Was Rosenm??llers Film erz??hlt, ist zumeist historisch verb??rgt, nachzulesen etwa in der akribisch recherchierten Biografie "Trautmann's Journey" der BBC-Journalistin Catrine Clay. Der geb??rtige Bremer, der in England vom verhassten Deutschen zur Fu??balllegende aufstieg, blieb Manchester City 15 Jahre lang treu, galt seinerzeit als einer der besten Torh??ter der Welt.

Der Krieg hinterl??sst keine Spuren

Doch der Regisseur h??tte nicht der Kitschgefahr erliegen sollen, die in der Lebensgeschichte lauert. So blendet der Film aus, dass sich Trautmann als Hitlerjunge mit 17 Jahren zum Milit??rdienst meldete, als Fallschirmj??ger t??tete und im Kriegsgefangenenlager zur Kategorie "schwarz" z??hlte. Ebenso, dass Trautmann 1948 seine neugeborene Tochter und deren Mutter ohne Abschied verlie??.

Zu viel Widerspr??chlichkeit will "Trautmann" seinem Helden nicht aufb??rden, dazu passt auch die Besetzung mit dem jungenhaft wirkenden David Kross. Von Fotos des realen Trautmann blickt ein verlebter Mann, die Spuren des Krieges sind unverkennbar. Kross hingegen nimmt man die Strapazen nicht ab, weder die Teilnahme am "Unternehmen Barbarossa" noch die Milit??rhaft wegen Sabotage, den Kampf gegen Partisanen oder die Ardennen-Offensive.

So verkleben sich Heldenportr??t und Liebesdrama zur Schmonzette, die der historischen Figur kaum gerecht wird. Dabei h??tte gerade in deren gebrochener Biografie der Reiz des Stoffes gelegen, in der Metamorphose vom Rassisten zum K??mpfer f??r Toleranz und die deutsch-britische Verst??ndigung. Doch Rosenm??ller verschenkt die Chance auf eine Parabel ??ber die Wandlungsf??higkeit des Menschen zugunsten eines gef??lligen Feel-Good-Movie.



insgesamt 24 Beitr??ge
Alle Kommentare ??ffnen
Seite 1
Ickerbocker 14.03.2019
1. Absurd
Was denn f??r eine "Nazivergangenheit"? Nur weil sich jemand mit 17 zur Wehrmacht gemeldet hat? Nicht jeder deutsche Soldat war ein Nazi. Man hat halt f??r sein Land gek??mpft. Das war v??llig selbstverst??ndlich.
japhet 14.03.2019
2. Geht es einen Nummer kleiner?
In der Hitlerjugend war zwischen 1933 und 1945 fast jeder deutsche Knabe. Sich freiwillig zur Wehrmacht zu melden, war wohl auch eher normal - zumal es eine Wehrpflicht im gro??deutschen Reich gab und man es sich sowieso nicht aussuchen konnte. Daraus gleich einen unbelehrbaren Rassisten zu konstruieren erscheint mir ??berzogen. Warum soll es nicht glaubhaft sein, dass nach dem Krieg die meisten selbst erschrocken waren ??ber das, was ihr Land, ihr "F??hrer" und sie selbst angerichtet hatten?
Schebby 14.03.2019
3. Na sowas
Der Mann hat tats??chlich als Fallschirmj??ger ger??tet, statt sich selbst erschiessen zu lassen? Das muss ein echter Nazi sein, gar kein Zweifel.
TomTheViking 14.03.2019
4. oh Gott wie viel moralische ??berh??hung den noch?
"Hitlerjunge - mit 17 Jahren zum Milit??rdienst - als Fallschirmj??ger t??tete" Ja - also in der Zeit eine vorbildliche Biographie. So wie heute Klima-Ideologen durch die Gegend laufen und "gefeiert" werden. Nun ja zumindest von h??chst offizieller und medialer Seite in diesem Land. Ma??lose Ideologisierung auch in diesem Land bringt es mit sich, das die Sicht auf die Welt und was diese im innersten zusammen h??lt verstellt zumindest verschoben wird. Hat sich der Autor einmal gefragt warum er damals zum Chefredakteur des "St??rmers" aufgestiegen w??re? Nee? Sollte er aber mal.
TaunusT 14.03.2019
5.
Sie lesen Spon - was erwarten Sie? Da muss die Moralkeule geschwungen werden. Einfach einen Film rezensieren, das geht nicht. Ich w??re ??brigens ??berrascht falls dieser Kommentar nicht der Zensur zum Opfer fallen sollte.
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