Freitag, 3. September 2010

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28.06.2008
 

Obama und Clinton

Szenen einer Zwangsehe

Aus Unity berichtet Marc Pitzke

Ein Kuss, eine Umarmung und zwei Schecks |ber 2300 Dollar: So haben Barack Obama und Hillary Clinton ihren Zweckbund besiegelt, ausgerechnet in einem Dorf namens Unity. Doch bei dieser angestrengt inszenierten Zweckhochzeit herrschte ldngst kein trauter Friede.

Unity - Ken Hall hat sich zur Feier des Tages neue Turnschuhe gekauft. So ein Anlass kommt schlie_lich so schnell nicht wieder. "Sonst schaut hier nie ein Politiker vorbei", sagt er und hievt seinen schwitzenden Kvrper keuchend durch die Sommerhitze. "Es ist uns eine gro_e Ehre." Hall ist der Hausmeister der Grundschule und zugleich ehrenamtlicher B|rgermeister von Unity, einem Neuengland-Dvrfchen im tiefsten New Hampshire, zwischen Bergen, Wdldern und gurgelnden Fl|sschen. Nicht mal 1500 Menschen leben hier.

Doch Barack Obama und Hillary Clinton kommen nicht der Naturidylle wegen nach Unity, auf die sanft talwdrts rollende Wiese hinter der Schule, die Ken Hall daf|r extra gemdht hat. Sie kommen, weil der Name verspricht was sie selbst bisher nur schwer aussprechen konnten: Unity. Einheit.

Ein perfekt-symbolischer Akt soll es werden, um die gespaltene Partei zu versvhnen, notgedrungen, weil die Wahlen sonst schwierig werden kvnnten. Es ist der erste gemeinsame Auftritt der beiden bisherigen Rivalen, nach f|nf bitteren Monaten der langen Messer. Ein Zeichen der Eintracht, des Friedens in diesem Ort, in dem bei den Vorwahlen im Januar - auch so was kann man nicht erfinden - 107 Personen f|r Obama gestimmt haben und 107 Personen f|r Clinton.

Der grv_te Quertreiber fehlt: Bill Clinton

Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein auf dieser angestrengt inszenierten Zweckhochzeit, zu der Obama rund 4000 Trauzeugen in einer Karawane gelber Schulbusse ankarren ldsst. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich, dass zwischen beiden Lagern weiterhin tiefes Misstrauen herrscht - auch wenn die Protagonisten gute Miene machen. Nicht zuletzt, weil der bisher grv_te Quertreiber heute fehlt: Bill Clinton.

Dabei ist bei diesem Wahlkampf-Woodstock alles im Detail auf "Kumbaya" programmiert, wie die Amerikaner es nach einem alten Brauch nennen, wenn sich alle an den Hdnden fassen und selig summen. Auf der Wildblumenwiese haben sie zwei Trib|nen errichtet. "Unite for Change" ("Vereint euch f|r den Wandel") steht an der einen - Obamas neuer Wahlkampfslogan. "Unity" an der anderen. Noch Fragen? Der ganze Tag ist eine TV-Kulisse bem|hter, dick aufgetragener Symbolik.

Das beginnt schon in Washington, wo die Ex-Gegner, mit artigem Wangenkuss, gemeinsam in den Charterjet steigen. Es ist dieselbe Maschine, die Clinton schon im Vorwahlkampf benutzt hat und die nun Obama dient. Sie sitzen nebeneinander, auf mit Namen markierten Pldtzen, Obama am Fenster, Clinton am Gang. Sie schdkern f|r die Kameras. Clinton trdgt einen knallblauen Hosenanzug. Obama trdgt eine knallblaue Krawatte. Zufall, schwvren sie. Es ist eine arrangierte Ehe, um die beide nicht herumkommen. Er braucht sie und ihre 18 Millionen Vasallen f|r den Wahlsieg. Sie braucht ihn und sein schier unerschvpfliches Spendenpotential, um ihre rund 20 Millionen Dollar Wahlkampfschulden abzustottern.

Demonstrativ hat er ihr am Vorabend, als sie ihn ihren Top-Finanziers vorstellte, einen Spendenscheck |ber 2300 Dollar |berreicht, die gesetzlich erlaubte Hvchstsumme. Sie revanchiert sich auf dem Weg nach New Hampshire mit einem identischen Scheck.

Dutzende TV-Trucks und Satellitensch|sseln

Vom Flughafen Manchester legen sie die eine Stunde Fahrt nach Unity im klimatisierten Komfortbus zur|ck. Wor|ber sie da reden - wer wei_. Vielleicht dar|ber, wie Clinton Obama hier in New Hampshire im Januar |berraschend schlug, nachdem ihr tags zuvor fast die Trdnen gekommen waren bei einer Frage nach der persvnlichen Bedeutung dieses Rennens.

Zur gleichen Zeit bekommen die Anhdnger schon im Schulbus Verhaltensma_regeln: "Keine Liegest|hle, keine Schilder!" Sprich: keine Schilder, die nicht offiziell sanktioniert sind. Sondern nur die, die sie vom Obama-Team in die Hand gedr|ckt bekommen. Die Winkplakate tragen Obamas "Change"-Parolen - aber auch "Thank you Hillary" und "Women for Obama". Eintracht bis ins I-T|pfelchen.

Dutzende TV-Trucks mit Satellitensch|sseln |berragen die Holzhduschen von Unity. Der Secret Service hat sich mit seinen Flughafen-Metalldetektoren mitten ins Gras postiert, von faustgro_en Schmetterlingen umflattert. "So was habe ich noch nie gesehen", murmelt Grundschuldirektor Chip Baldwin, der vorige Woche aus heiterem Himmel von einem Obama-Gesandten heimgesucht wurde. Er hielt ihn erst f|r einen Handelsvertreter.

Die Band spielt: "Your Love Keeps Lifting Me Higher." Trotzdem widersetzen sich einige der Jubelchoreografie. "Nur Hillary hat das Know-how und das Charisma", schimpft Carol Stone-Oaks aus Massachusetts, die zwei Stunden mit dem Auto angefahren ist, um hier ihren ungemilderten Drger zu Protokoll zu geben.

Kvrpersprache ist "nicht authentisch"

Die Menge ringsum nennt Stone-Oaks "Obamanatiker". Sie selbst werde nun den Republikaner John McCain wdhlen. Warum sie dann hier sei? "Wir lassen uns nicht totschweigen." Und: "Barack Obama, leck mich am Arsch!" Stone-Oaks reprdsentiert eine kleine, aber stvrrische Parteiminderheit, die immer noch gegen Obamas Nominierung ist. "Er ist ein arroganter Chauvinist", kritisiert auch Stone-Oaks Nachbarin Malka Yaacobi, die mitgekommen ist.

Viele andere freilich lassen sich mitrei_en. "F|r uns ist dies historisch", strahlt Susan Seitz aus dem nahen Chester in Vermont. "Als ich das erste Mal demokratisch wdhlte, da haben mich die Leute hier alle schief angeguckt." Ihr Mann Stephen wischt sich Sturzbdche des Schwei_es vom Gesicht. Er ist der einzige Redakteur der Lokalzeitung "Black River Tribune": "Eine einmalige Story, so was passiert nicht oft." Schlie_lich kommen sie, wie Verlobte auf dem Weg zum Freiluftaltar, zu den Kldngen von U2's "Beautiful Day". Er legt ihr die Hand auf die Schultern, beugt sich zu ihr herab, wispert ihr ldchelnd etwas ins Ohr. Sie kichert kokett.

CNN bem|ht spdter eine "Expertin f|r Kvrpersprache", um die Gestik des Polit-Paars zu analysieren. "Ndher als 45 Zentimer - intimer Kontakt", erkennt Janine Driver. "Doch der Augenkontakt: Weniger als zwei Sekunden." Fazit: "Nicht authentisch." Die Dame hat Vortritt. "Unity ist nicht nur ein wunderschvner Ort", ruft Clinton, "es ist ein wunderbares Gef|hl." Sie preist Obama |ber alle Ma_en, gelobt ihm ihre Unterst|tzung, sogar ihr Herz. Verkldrt die zerstvrerischen Vorwahlen zur gemeinsamen Reise, zu einem spr|henden Dialog.

Das ist so plump, dass selbst die Zuschauer lauthals lachen. "Ich wei_", sagt Clinton, "das war die netteste Formulierung, die mir daf|r einfiel." Solche Spontanscherze bleiben selten. Wo der Moment doch so viel Anlass bvte f|r etwas erlvsenden Galgenhumor. Stattdessen beldsst es Clinton - und spdter auch Obama - bei steifen Versvhnungsformeln und platten Standardsdtzen. Als hdtten beide Angst, dem anderen auf die Zehen zu treten.

Brimborium endet als profane Wahlkampfveranstaltung

Man stehe "Schulter an Schulter", sagt Clinton. "Wir sind eine Partei." Und an Kritiker wie Stone-Oaks, die nun zu McCain neigten: "Ich bitte euch dringend, es euch anders zu |berlegen." Schvne Worte, die die bis heute tiefe Kluft zwischen den Lagern |bert|nchen sollen. So tief ist die, dass Staranwalt Robert Barnett als Vermittler angeheuert wurde. Barnett - der sowohl Clinton wie Obama millionenschwere Buch-Deals verschafft hat - soll aushandeln, wie Clintons Schulden beglichen werden und welche Rolle sie auf dem Wahlparteitag bekommen soll. Von den nicht totzukriegenden Spekulationen um eine Vizekandidatur mal ganz zu schweigen.

Dann beginnen die Leute, mitten in Clintons Rede hinein, "Obama! Obama!" zu skandieren. Clinton hdlt inne, ein paar Frauen hinten links stimmen sofort einen Gegenchor an: "Hillary! Hillary!" Obama, etwas verlegen, spornt sie an.

Auch er beginnt mit |berschwdnglichem Lob. "Ich kvnnte heute nicht gl|cklicher, nicht geehrter, nicht bewegter sein, dass wir gemeinsam auf dieser B|hne stehen." Er nennt Clinton "gut", "hart", "leidenschaftlich". Sie steht stocksteif daneben, Hdnde verschrdnkt, Blick ins dunstige Nichts. Obama legt nach: "Wir brauchen sowohl Bill wie Hillary Clinton." Das sagt er gleich zweimal, ein klares Signal an den abwesenden Ex-Prdsidenten, der seit dem Ausstieg seiner Gattin kein Wort |ber, aber auch zu Obama gesagt hat. Dann m|ndet Obama nahtlos in eine seiner typischen Reden, nur diesmal ohne Feuer, Biss oder Inspiration. Als lese er staubige "talking points" vom Blatt.

Und so endet das ganze Brimborium in einer ganz profanen Wahlkampfveranstaltung. D|stere Wolken ballen sich am Himmel. Wenige Minuten nach Ende der Reden entlddt sich ein schweres, nasses Gewitter. In ganz Unity fdllt mit einem Schlag der Strom aus.

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02.06.2008 von praise:

Nein. Er m|_te eine Straftat begehen. Straftat ist das, was das Strafgesetzbuch als solche definiert. Der vermeintliche "Bruch" des Amtseids - den es nicht gibt - gehvrt nicht dazu. Ebensowenig eine "grobe Pflichtverletzung" als [...] mehr...

02.06.2008 von Willie:

Selbstverstaendlich. Damit lassen sich ja dann auch noch mehr als nur ein Artikel schreiben. "A gift that keeps on giving." Sure, war ja auch ein Non-event. Gone. Den er sich noch dazu mit Hillary teilte. Keineswegs. Es [...] mehr...

02.06.2008 von Hank Calloway:

Koennen Sie Ihre Allgemeinplaetze vielleicht verbal etwas mit Leben fuellen, vorzugsweise in eigenen Worten, denn irgendwelche tendenzioesen links beeindrucken mich nicht besonders. Ich lehne es mittlerweile ab, mich durch [...] mehr...

02.06.2008 von Hank Calloway:

Stell ich auch immer wieder fest. ---Zitat--- Wie eine Weltwirtschaftskrise aussieht kann man am schwarzen Freitag von 1929 studieren. Das erst vor kurzem (Anfang diesen Jahres) durch massives Dollardrucken (bzw. [...] mehr...

02.06.2008 von Hans Bergmann:

Das wdre ein machbarer Weg. Es sind ja auch schon andere arme oder des Wirtschaftens nicht fdhige Ldnder mit diesem Schritt bedacht worden. mehr...

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