Besuch in Griechenland Nur einer Bitte kam Merkel nicht nach

Alexis Tsipras steckt in politischen Schwierigkeiten, da kommt Angela Merkel gerade recht. Griechenlands Premier feiert den Besuch als Erfolg - auch wenn sie ihm in einer wichtigen Frage die Unterst??tzung versagte.

Alexis Tsipras, Angela Merkel
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Alexis Tsipras, Angela Merkel

Von , Athen


Angela Merkel begr????te den griechischen Ministerpr??sidenten Alexis Tsipras mit K??sschen und warmen Worten. Doch am deutlichsten zeigte sich die gute Stimmung zwischen den ehemaligen Gegnern bei dem privaten Abendessen am Meer, zu dem Tsipras die Kanzlerin eingeladen hatte. Nur wenige G??ste durften teilnehmen.

Ein Foto, das der Ministerpr??sident auf seinem Instagram-Account ver??ffentlichte, zeigt ihn mit Merkel auf dem Balkon des Restaurants in Kastella, Piraeus. Tsipras pr??sentiert ihr die spektakul??re Aussicht, bevor man sich Fisch und griechischen Delikatessen widmete.

Einer, der vorher beim Treffen zwischen Tsipras und Merkel in der Villa Maximos, dem Amtssitz des griechischen Ministerpr??sidenten, dabei sein durfte, war Vizeau??enminister Georgios Katrougalos. Er sagte dem SPIEGEL: "Ihre Unterst??tzung f??r unsere Vereinbarung mit Skopje war eindeutig. Die Botschaft, die Merkel uns gab, war, dass Griechenland ein neues Kapitel aufgeschlagen hat. Und dass Griechenland immer auf Deutschlands Unterst??tzung z??hlen kann."

Aus Sicht von Tsipras' Kabinett war der Besuch ein voller Erfolg. Laut Regierungsunterst??tzern und regierungsfreundlicher Presse lieferte Merkel in allen wichtigen Punkten:

  • Sie hat der griechischen Wirtschaft ihr Vertrauen ausgesprochen.
  • Sie erkannte den Verzicht und die Leistung der Griechen an.
  • Sie bef??rwortete den umstrittenen Deal zwischen Griechenland und Mazedonien: "Ich bin Tsipras und Zaev dankbar", sagte sie nach einem Treffen mit Tsipras unter Verweis auf den mazedonischen Regierungschef Zoran Zaev.

Ein Ziel aber verfehlt Tsipras: Merkel sprach sich nicht gegen Kyriakos Mitsotakis aus, der Vorsitzender der konservativen Nea Dimokratia ist. Die Partei geh??rt, wie die CDU, zur Europ??ischen Volkspartei. Mitsotakis weigert sich, das Abkommen zwischen Griechenland und Mazedonien anzuerkennen.

Beide L??nder liegen seit vielen Jahren im Streit. Griechenland besteht wegen seiner gleichnamigen Provinz im Norden des Landes seit fast drei Jahrzehnten auf der Namens??nderung. Als Druckmittel hatte Athen jede Ann??herung Mazedoniens an die Nato und die EU blockiert.

Merkel trifft Mitsotakis kurz vor ihrer Abreise in der Residenz des deutschen Botschafters in Athen. Sie wird die Vorteile des Mazedonien-Deals aus ihrer Sicht bekr??ftigen, aber ihren europ??ischen Parteifreund nicht unter Druck setzen. In Umfragen zu den Parlamentswahlen im Herbst liegt Mitsotakis vorn.

Die heikle Frage nach den Reparationszahlungen

Am heutigen Tag absolviert Merkel ein entspanntes Programm. Sie hat mit prominenten Griechen aus Kultur und Wissenschaft gefr??hst??ckt, das Grabmal des unbekannten Soldaten vor dem Parlamentsgeb??ude besucht, sich mit Sch??lern der Deutschen Schule in Athen getroffen und mit Unternehmern zu Mittag gegessen.

Ein Punkt, bei dem Uneinigkeit herrscht, ist die Frage der Reparationszahlungen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Bei einem Treffen von Merkel mit Griechenlands Pr??sident Prokopis Pavlopoulos bekr??ftigte dieser seine Forderungen danach. Merkel erkl??rte, die Deutschen seien sich ihrer historischen Verantwortung bewusst. "Wir wissen auch, wie viel Leid wir ??ber Griechenland gebracht haben, als Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus. Deshalb ist die Lehre f??r uns, alles daran zu setzen, gute Beziehungen mit Griechenland zu haben und sich gegenseitig zu unterst??tzen zum Wohle beider, von Griechenland und von Deutschland", sagte Merkel.

Das griechische Parlament k??nnte bereits im Februar ??ber die milliardenschweren Reparationsforderungen beraten - vorausgesetzt, Griechenlands Regierung zerbricht nicht.

Griechische Presse ist geteilter Meinung

Nicht alle teilen Tsipras' Begeisterung ??ber das Treffen.

  • "HERRIN, hier ist Ihre Kolonie: Merkel erscheint in Maximos wie ein Eroberer" ist die Titelzeile der rechten "Dimokratia".
  • "Tsipras ist ein Fu??abtreter, damit Merkel auf ihm herumtrampeln kann", schreibt die liberale Tageszeitung "Filelftheros".
"Dimokratia" am 11. Januar 2019
Dimokratia

"Dimokratia" am 11. Januar 2019

Die Pro-Tsipras-Presse sieht das anders:

  • "Gute Stimmung bei Merkel-Tsipras Treffen - Gleichberechtigung der bilateralen Beziehungen in der neuen ??ra", schreibt die linke "Avgi", die als Sprachrohr der Syriza-Partei von Tsipras gilt.

Und die B??rger?

"Was ich an Merkels Besuch vermisst habe, ist eine aufrichtige Entschuldigung f??r all unser Leiden. Und ein Versprechen, dass es nie wieder geschieht", sagt Giannis Filippou dem SPIEGEL, nachdem er die Titelzeilen der Zeitungen an einem Kiosk im Athener Vorort Nea Smirni gelesen hat.

Zukunft der griechischen Regierung ist ungewiss

Wie auch immer man den Besuch sieht: Sicher ist, dass Tsipras vor einem politischen ??berlebenskampf steht. Koalitionspartner Panos Kammenos hat angedroht, die Koalition wegen des Mazedonien-Abkommens platzen zu lassen. Er wird seinen Posten als Verteidigungsminister mit hoher Wahrscheinlichkeit abgeben. So k??nnte Tsipras seine Mehrheit im Parlament verlieren - die braucht er aber, um ??ber den Mazedonien-Deal Anfang n??chster Woche abstimmen zu k??nnen.

Wieder einmal drohen Neuwahlen.

Mit Material der dpa



insgesamt 33 Beitr??ge
Alle Kommentare ??ffnen
Seite 1
scratchpatch 11.01.2019
1. Ganz ok
Das ist alles in Ordnung, Merkel hat einen guten Job gemacht. Offenbar kommt es niemandem in den Sinn, sich bei ihr mal zu entschuldigen f??r all die Beleidigungen, die ihr aus Griechenland entgegen geschallt sind (und immer noch gibt es ja einen reichen Vorrat an Beschimpfungen, die bei jeder passenden Gelegenheit hervorgeholt werden k??nnen). Sie kann damit sicher leben. In einem politischen Klima, in dem der Nationalismus so bl??ht, dass es schon als Landesverrat gilt, wenn Tsipras sich mit einer Namens??nderung Mazedoniens zufrieden gibt (das ja nach griechischer Vorstellung ansonsten ??ber Griechenland herfallen w??rde, weil eine Provinz dort auch Mazedonien hei??t), muss man sich damit zufrieden geben. Toll ist es nicht, aber alles ganz ok.
manicmecanic 11.01.2019
2. Heuchelei
und Populismus ala Merkel.Das wirklich entscheidende,n??mlich die Ablehnung der Ziele der griechischen Schwesterpartei hat sie nicht ge??u??ert.Alles andere sind Leckerli f??r die Presse.
Alias iacta sunt 11.01.2019
3. Wurde auch besprochen,
wann wie viel Geld wieder zur??ckbezahlt werden kann. Bei so guter Stimmung k??nnte die Frage doch gestellt werden. Oder ist nur wieder alles ein Sch??nfotoTermin?
mullertomas989 11.01.2019
4. "Ein Versprechen, dass es nie wieder geschieht"?
Da meint wohl einer, dass Frau Merkel Schuld sei, an den krassen Einsparma??nahmen in Griechenland in den letzten rund 10 Jahren. Wie absurd. Es waren die Griechen selbst, die mit falschen Zahlen in den Euro gingen und die mutma??lich auch heute noch falsche Zahlen nach Br??ssel schicken. Anders ist auch der Umgang mit Andreas Georgiou vor einiger Zeit nicht zu deuten.
27europe 11.01.2019
5. Irref??hrende Berichterstattung
Ihre Reportage ??ber den Merkel Besuch in Athen ist parteiisch und entspricht nicht den Tatsachen. Frau Merkel sprach ??berhaupt nicht ??ber einen "Deal". Im Gegenteil. Sie ??usserte Ihre ??berraschung ??ber die von Nea Demokratia kursierte Verschw??rungstheorie eines "Deals". Dies war eine eindeutige Aussage gegen die Polemik von Kyriakos Mitsotakis und so wurde sie auch von allen nicht parteiischen Medien interpretiert. Aber Ihr "Korrespondent" tr??gt wahrscheinlich die blaue Parteibrille. Oder es kann sein, dass wenn man aus Saloniki berichtet, offenbar wichtige Aussagen vermisst. Schade, dass ein Medium wie "der Spiegel" fortw??hrend Halbwahrheiten verbreitet. Kostas Argyros, Journalist
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