Volkswagen-Tochter Wirklich mobil ohne Auto? So schl??gt Moia sich im Alltag

Es ist ein gro??es Versprechen: Volkswagens Fahrdienst Moia soll den Verzicht aufs eigene Auto erleichtern. Zum Start in Hamburg haben wir den Service drei Pr??fungen unterzogen - allein, mit Eink??ufen und mit Kleinkind.

Christian Frahm/ SPIEGEL ONLINE

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Mit seinem neuen Fahrdienst Moia will Autohersteller Volkswagen die urbane Mobilit??t auf den Kopf stellen. Heerscharen von Menschen sollen ihren Pkw abschaffen und sich stattdessen mit VWs futuristisch anmutenden Elektrobussen durch die Stadt kutschieren lassen. Seit Montag rollen 100 der Moia-Shuttles durch Hamburg. Ein Netz von 10.000 virtuellen Haltestellen durchzieht die Hansestadt, an jede von ihnen kann man den Dienst per App bestellen.

Wir testen ob der Fahrdienst h??lt, was VW verspricht. Einen Tag geht es mit dem Moia-Shuttle durch Hamburg. Das Kind aus dem Kindergarten abholen, ein Eis in der Innenstadt essen und die Eink??ufe erledigen - geht das alles genau so komfortabel wie mit dem eigenen Auto?

10:45 Uhr: Ich lade mir die Moia-App herunter. Namen, Mail-Adresse und Mobilnummer angeben, schon kann es losgehen. Auf dem Bildschirm erscheint eine Karte mit dem Moia-Gesch??ftsgebiet.

11:10 Uhr: Ich will sofort losfahren. Mein Ziel: Zuhause. Ich muss dringend mein Leergut vom Wochenende wegbringen. Ich gebe das Ziel ein und dr??cke auf "Best??tigen". Mein Shuttle soll unweit meines jetzigen Standortes in der Hafen-City um 11:29 ankommen - also in rund 20 Minuten.

11:20 Uhr: Ich stehe an einem unscheinbaren Ort, der ganz und gar nicht nach Haltestelle aussieht. Aber genau das ist das Prinzip von Moia: Die Haltestellen sind von Passanten als solche nicht zu erkennen. Sie werden lediglich in der App angezeigt und variieren je nach Route und weiteren Passanten auf der Strecke.

11.29 Uhr: Genau jetzt soll mein Moia-Bus kommen. Und tats??chlich: Am Horizont taucht der goldene Bus auf und - biegt ab. Das war wohl nichts. Nachdem noch zwei weitere Moia-Busse an mir vorbeigefahren sind, ist es inzwischen 11:40 Uhr. Die App meldet sich: "Sorry, wir sind sp??t dran" steht auf der Anzeige meines Smartphones. Mein Moia-Shuttle, das als gelber Punkt auf der Stra??enkarte zu sehen ist, bewegt sich seit Minuten nicht vom Fleck. Die gesch??tzte Ankunftszeit springt von einer auf vier Minuten.

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Selbstversuch: So schl??gt sich Moia im Alltag

11:44 Uhr: Endlich kommt mein Shuttle - mit 24 Minuten Versp??tung. Der Fahrer begr????t mich mit meinem Vornamen und entschuldigt sich. Er habe im Stau gestanden. Davor sind auch die goldenen Moia-Busse nicht gefeit. Ich steige ein und setze mich auf einen der an moderne Ohrensessel erinnernden Sitze. Die Schiebet??r schlie??t automatisch, der Bus surrt mit seinem Elektroantrieb ger??uschlos davon. Aber der Fahrer hat ein weiteres Mal Pech. In einer engen Stra??e versperrt ein Speditions-Lkw den Weg.

Der Weg, den wir fahren, kommt mir umst??ndlich vor. Aber der Fahrer folgt der Route seines Navigationsystems und damit der Logik des Moia-Algorithmus. Zu Fahrtantritt war die Ankunftszeit zwischen 11:42 und 11:53 Uhr angegeben. Als ich vor meiner Wohnung aussteige, ist es 12:11 Uhr. Immerhin liegt die virtuelle Haltestelle nur zwei Hausnummern von meiner Wohnung entfernt. F??r die 4,5 Kilometer lange Fahrt zahle ich f??nf Euro - das ist der Maiximalpreis, den Moia w??hrend des ersten Monats der Inbetriebnahme verlangt, egal wie lang die Fahrt ist.

12:36 Uhr: Nach kurzer Visite in der Wohnung und mit meinem Wasserkasten in der Hand stehe ich wieder an der Stra??e. Ich habe mir bereits das n??chste Shuttle gerufen und habe diesmal mehr Gl??ck. Auf die Minute genau rollt der Moia-Bus in meine Stra??e rein. Auch diesmal liegt die Haltestelle nur etwa 30 Meter von meiner Haust??r entfernt.

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Moia-Bus: Das ist Volkswagens Elektro-Shuttle

Der Fahrer scheint nicht mal verdutzt, als ich mit der Getr??nkekiste einsteige. Handgep??ck und gr????ere Eink??ufe seien kein Problem, erkl??rt er mir. Lediglich gro??es sperriges Gep??ck oder M??bel d??rften nicht transportiert werden. Die Fahrt verl??uft reibungslos und wir kommen wie prognostiziert zw??lf Minuten sp??ter am Getr??nkemarkt an. Preis f??r 4,2 Kilometer: 4,82 Euro.

13:10 Uhr: Pfand erfolgreich abgegeben. Ich stehe auf dem Parkplatz und will mein n??chstes Shuttle buchen. Dabei kann ich immer w??hlen, ob ich "jetzt sofort", "in 5 Minuten", oder "in 10 Minuten" startbereit bin. Egal f??r welche Option ich mich entscheide: Das System zeigt mir an, dass alle Busse derzeit belegt sind. Ich versuche es ein weiteres Mal und habe Erfolg. Allerdings kommt mein Bus angeblich erst in 20 Minuten. H??tte ich es jetzt eilig, h??tte ich ein Problem und m??sste wohl auf Bus und Bahn umsteigen oder mir ein Taxi rufen. Stattdessen gehe ich zur??ck in den Getr??nkemarkt, kaufe mir einen Eistee und setze mich in die Sonne.

13:31 Uhr: Sp??t, aber immerhin p??nktlich sammelt mich der Moia-Fahrer ein und f??hrt mich zum Kindergarten. Dort komme ich sogar sechs Minuten fr??her an als von der Moia-App vorausgesagt. Ich erkundige mich beim Fahrer, ob er kurz warten k??nne, bis ich das Kind aus dem Kindergarten abgeholt habe. Das funktioniere leider nicht, da schon der n??chste Fahrgast wartet.

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VW-Dienst Moia im Preisvergleich: Wer zwischen Elbphilharmonie und Partyviertel am billigsten f??hrt

Aber ich habe dazu gelernt. Ich buche bereits jetzt das n??chste Fahrzeug. Diesmal mit drei Pl??tzen (Kind, Oma und ich) und w??hle als Option einen Kindersitz. Wartezeit: 17 Minuten. Genug also, um das Kind aus der geliebten Spielecke zu zerren, Schuhe und Jacke anzuziehen und dann p??nktlich wieder an der nahe gelegenen virtuellen Haltestelle zu stehen.

13:44 Uhr: Auch diesmal ist der Bus etwas fr??her da als geplant. Fahrer Christian sieht mich mit dem Kind an der Hand am Stra??enrand stehen und steigt aus, um den Kindersitz zu befestigen. Im Handumdrehen hat er die Schale aus dem Gep??ckraum gefischt und hilft dem J??ngling sogar noch beim Anschnallen. Letzterer hat viele Fragen zu dem goldenen Bus und Fahrer Christian scheinbar gute Laune an seinem ersten Arbeitstag. Geduldig antwortet er und liefert uns p??nktlich in der Innenstadt an der Alster ab. Eis in der Sonne - da sind wir.

Fazit:

Moia funktioniert, hat aber definitiv noch einige Schw??chen. Die Routen, die die Fahrer beziehungsweise der Algorithmus w??hlen, scheinen oft umst??ndlich. Hinzu kommt, dass die 300 Chauffeure, die Moia nur mit M??he und Not in ausreichender Zahl und mit aufwendiger Werbung einstellen konnte - oft noch nicht ausreichend ortskundig sind.

Steht das Shuttle am Stra??enrand und ??ffnet seine T??r, ist die eigentliche Fahrt meist ein Vergn??gen. Erst Recht, wenn man hinterher auf die Rechnung schaut. Denn Moia ist zwar teurer als der ??PNV, aber deutlich g??nstiger als eine vergleichbareTaxifahrt. Jeder weitere Mitfahrer, den man ??ber die App bucht, f??hrt zudem noch g??nstiger. F??r gr????ere Gruppen kann sich eine Moia-Fahrt also durchaus lohnen.

Wie gut der Ridesharingdienst von VW tats??chlich funktioniert, wird sich aber vermutlich erst in ein paar Wochen zeigen. Au??erdem d??rfte es zunehmend weniger Versp??tungen geben, sobald die Flotte in ein paar Monaten um weitere Fahrzeuge aufgestockt wird.

Als Alternative zum eigenen Auto taugt Moia allerdings vorerst nur f??r Menschen, die nie unter Zeitdruck sind. Es hei??t ja immer, wir sollen uns entschleunigen. Daf??r ist der neue Fahrdienst von VW ziemlich gut geeignet.

insgesamt 81 Beitr??ge
Alle Kommentare ??ffnen
Seite 1
spon-facebook-10000239462 15.04.2019
1. ... und der Datenschutz?
Anhand der Daten lassen sich prima Bewegungsprofile erstellen. Was passiert denn mit den Daten? Wird gespeichert, wann ich von A nach B fahre? Wenn ja - wie lange? Hat sonst noch jemand Zugriff auf die Daten usw. - Ich w??rde nicht damit fahren, solange der Datenschutz nicht ausreichend gesichert ist.
99Augustus 15.04.2019
2.
Es ist zwar sprachlich zul??ssig, aber trotzdem eine Unsitte der deutschen Sprache, Bandwurmw??rter zu bilden. Was aber gar nicht geht ist die Kombination von deutschen und englischen W??rtern wie in diesem Beitrag mit dem Wort Carsharingdienste. Dann lieber gleich alles in Englisch, also Car Sharing Service.
m.klagge 15.04.2019
3. Da steckt ein fettes Gesch??ft drin.
Ausserdem eines, dass den Autokonzernen das ??berleben bescheren kann. Wer den Taxi- und Dolmusch-Markt beherrscht kann weiter seine Autos, wenn auch nicht verkaufen, dann wenigstens am Laufen halten. Die PS geilen Idioten sterben weg und vern??nftige Menschen kaufen keine Autos mehr. Ohne die Kosten, die durch menschliche Fahrer verursacht werden, spricht dann alles f??r Mobilit??t auf Anruf und, eben, gute Gesch??fte. Auch weil es reichlich wertvolle Daten abzugreifen gibt.
fehleinsch??tzung 15.04.2019
4. die erste Fahrt dauerte
eine Stunde f??r 4,5km und kostet den H??chstsatz. 4,5km kann man auch laufen, auch in einer Stunde, mit dem Rad w??re es sicherlich noch schneller gegangen. Den Service braucht kein Mensch...
stefan taschkent 15.04.2019
5. #2 99Augustus
Der Carsharingdienst hat meinen Lesefluss in keinster Weise unterbrochen, aber ich lerne gern dazu. Kurze Frage daher, um beim Thema zu bleiben: Ist der Logistikfachmann OK? Logistik ist kein biodeutsches Wort, soweit ich das beurteilen kann. Da sollte doch dringend mal einer mit der IHK reden (Ironie aus).
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