Sexspielzeug f??r Frauen Summt und brummt

Was k??nnen die neuen Sexspielzeuge f??r Frauen? Und wie ver??ndert sich die Sexualit??t, wenn man auf Knopfdruck kommen kann? Ein It-Piece mit Erregungspotenzial.

Vibrator: Weil Sex mit dem Partner so kompliziert ist?
serezniy/ iStockphoto/ Getty Images

Vibrator: Weil Sex mit dem Partner so kompliziert ist?


Frauen wird gern nachgesagt, im Bett so kompliziert zu sein: Stundenlange Massagen, Kerzenschein und gef??hlsduselige Musik seien n??tig, um sie auch nur ansatzweise in die richtige Stimmung zu versetzen - und dann reiche eine falsche Bewegung, um dieses Gesamtkunstwerk zu zerst??ren.

Von null auf hundert in 30 Sekunden funktioniert einfach nicht, der Orgasmus ist ohne Klitoris-Stimulation f??r die meisten Frauen so unerreichbar wie das Nasenloch f??r den gro??en Zeh, und selbst wenn der Gipfel fast erklommen ist, kann aus dem Nichts der Gedanke "Ich wollte die W??sche doch vor dem Schlafengehen noch in den Trockner tun" ins Gehirn schie??en und jede Erregung zunichte machen.

Mit Druckwellen zum Orgasmus

Seit 2014 gibt es ein Sexspielzeug f??r Frauen, das ihnen eine Art Instant-Orgasmus verschaffen soll. Um dieses Ger??t zu entwickeln, das alle Frauen zum schnellen H??hepunkt bringen soll, hat der niederbayerische T??ftler Michael Lenke etwas so Einfaches wie Geniales getan: Er hat sich mit seiner Frau unterhalten.

Brigitte Lenke hat daher all die Bem??hungen ihres Mannes, dem weiblichen Orgasmus mithilfe von Technik auf die Spur zu kommen, am eigenen Leib getestet. An den Prototyp, der aus einer Aquariumpumpe mit Schlauch und Saugnapf bestand, hat sie noch schmerzhafte Erinnerungen. Doch am Ende der gemeinsamen Recherche stand ein Ger??t, das aktuell als Kassenschlager unter den Sextoys gilt: der Womanizer.

Preisabfragezeitpunkt:
12.07.2019, 10:59 Uhr
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Womanizer

"Orgasmus ist ein Menschenrecht", meint Frauenversteher Lenke, der f??r den Womanizer einen v??llig neuen Ansatz, oder sagen wir besser Aufsatz, erfand: einen Silikonst??psel, der ??ber die Klitoris gelegt wird und diese dann v??llig ber??hrungslos nur mithilfe von Druckwellen stimuliert. Oder um es f??r Loriot-Fans auf den Punkt zu bringen: Es saugt und bl??st der Heinzelmann, wo Vati sonst nur blasen kann.

Klitorismassage als Therapie

Dass es mit der Entwicklung eines solchen Ger??tes so lange gedauert hat, ist erstaunlich. Denn schon die ??gyptische K??nigin Kleopatra soll auf dem Feld der Selbstbefriedigung ideenreich gewesen sein: Der Legende nach hat sie zur Erregung eine mit Bienen gef??llte Papyrust??te gegen ihren Unterleib gepresst. War die Traumfrau der Antike also die eigentliche Erfinderin des Vibrators? Zumindest ist die Vorstellung passend - auch wenn historische Quellen fehlen - und die Geschichte ein gutes Beispiel daf??r, dass die wenigsten Frauen durch reine Penetration zum H??hepunkt kommen, sondern die Klitoris die Musik macht.

Aktenzeichen XX - zur Autorin
  • Der weibliche Unterleib ist so aufregend wie unerforscht: Medizinern gibt er R??tsel auf, bei M??nnern sorgt er f??r Faszination, doch bei Frauen erzeugt er oft Scham und Zweifel. Heike Kleen will mit verbreiteten Vorurteilen aufr??umen und weiblichen Stolz wecken. Von erstaunlichen Vorg??ngen und neuesten Forschungsergebnissen aus diesem Bereich und anderen Aspekten von Weiblichkeit erz??hlt sie k??nftig in dieser Serie. Kleen ist freie Journalistin und TV-Autorin f??r Talkshows in ARD, ZDF und NDR. Ihr Sachbuch "Das Tage-Buch" erschien 2017 im Heyne Verlag.

Die wundersame Wirkung einer Genitalmassage ist Medizinern tats??chlich lange bekannt: Bereits zu Hippokrates' Zeiten und bis in die Zwanzigerjahre wurde sie als Therapie Frauen offiziell verordnet, schreibt die Historikerin Rachel P. Maines in "The Technology of Orgasm". Allerdings ging es bei der Behandlung nicht um Sex, sondern um die Heilung der Hysterie, die als typische Frauenkrankheit galt. Den Ursprung f??r dieses nerv??se Leiden witterten die M??nner im weiblichen Unterleib, der Fachbegriff leitet sich vom griechischen "hyst??ra" ab, was einfach Geb??rmutter bedeutet.

Das weibliche Geschlecht w??rde durch eine zeitaufwendige Klitorismassage von der Hysterie befreit werden, dachten europ??ische ??rzte im 19. Jahrhundert, und w??hrend die Frauen jauchzten und die Wartezimmer immer voller wurden, litten die Mediziner schon bald unter schmerzenden Handgelenken. Erleichterung verschaffte beiden Geschlechtern im Jahr 1883 schlie??lich "Granvilles Hammer", eine Erfindung des Engl??nders Mortimer Granville und nichts anderes als der erste elektrische Vibrator.

Womanizer + Thermomix?

Im 20. Jahrhundert mussten Sextoys ihr Dasein noch im Verborgenen fristen, einige kamen sogar mit einem Spezial-Anschluss f??r K??chenger??te daher, um dadurch eine offizielle Daseinsberechtigung zu erhalten. Das w??re ungef??hr so, als w??rde der Womanizer tags??ber scheinheilig den Thermomix antreiben.

Sp??testens seit der US-Kultserie "Sex and the City" ist der Vibrator aber eher ein It-Piece als ein Tabuteil, und ein Blick auf die Internetseiten der Sextoy-Anbieter best??tigt diese Beobachtung. Hier werden Frauen als neue und offensichtlich sehr zahlungswillige Zielgruppe nach allen Regeln der Kunst bespielt: Produkte f??r die Bed??rfnisse der weiblichen Kundschaft soweit der Scrollbalken reicht, vom Auflegevibrator ??ber den Massagestab bis hin zu Vibro-Eiern. "Was summt und brummt steht h??her im Kurs als die stillen Freudenbringer", sagt Susanne Gahr, Pressesprecherin beim Hersteller Orion.

Doch auch die guten alten Dildos sind zu haben. Immerhin versetzten sie sogar Arch??ologen in Aufregung, weil entsprechende Steinzeit-Funde R??ckschl??sse darauf zulassen, was unsere Vorfahren in den H??hlen getrieben haben k??nnten. Orion etwa bietet sogenannte Naturdildos mit markanten Adern und griffigem Hodenansatz an. Kundinnen des Erotikh??ndlers Amorelie hingegen bevorzugen offenbar ein buntes und nur entfernt an einen Penis erinnerndes Modell - aktuell ist jedoch der Womanizer der absolute Bestseller.

Gibt es eine Orgasmusgarantie?

Das Ger??t wird von den H??ndlern sogar mit einer Orgasmusgarantie beworben, 98 Prozent der Frauen k??men innerhalb k??rzester Zeit zum H??hepunkt, hei??t es. Auf Nachfrage, wie viele Frauen ihr Geld zur??ckverlangen w??rden, hei??t es, dies w??rde zwar vorkommen, sei aber h??chst selten der Fall. Frauen w??rden allerdings manchmal bem??ngeln, dass es ihnen mit dem Womanizer zu schnell gehe.

Was f??r eine sch??ne neue Welt, in der Frauen sich beklagen, zu schnell zum Orgasmus zu kommen! Ein Druckwellenvibrator erm??glicht es Frauen, sich zwischen Umsatzsteuervoranmeldung und Zahnsteinentfernung einen Orgasmus zu besorgen, ohne vorher auch nur ansatzweise Lust versp??ren zu m??ssen. Mit anderen und leider etwas derben Worten: Die Frau kann sich wie der Mann mal eben schnell einen runterholen, nicht mehr und nicht weniger.

Ersetzt das Sextoy den Mann?

Und doch lohnt es sich, an dieser Stelle das Sextoy noch kurz im Schrank zu lassen und weiterzuschreiben, denn es gibt ein paar interessante Fragen: Ist es erstrebenswert, mit technischer Hilfe den kleinen Hunger zwischendurch zu stillen? Ist es wom??glich sogar ein Akt der Emanzipation, dass der Orgasmus f??r die Frau so schnell zu erreichen ist wie f??r den Mann?

Vermutlich werden an dieser Stelle - gern m??nnliche - Stimmen laut, die von Sexspielzeug abraten: Man k??nne s??chtig danach werden und m??sse stattdessen lernen, sich selbst und den anderen zu sp??ren und zu lieben, sagen vielleicht die einen, kurz bevor sie zum Tantrayoga aufbrechen. Der gr??ber gestrickte Rest sorgt sich m??glicherweise einfach darum, aussortiert und von einem quietschbunten, akkubetriebenen Objekt ersetzt zu werden, das nicht einmal nach einem K??rperteil aussieht. Kurz gefasst: Wird ganz "normaler" Sex langweilig?

Ganz so schlimm ist und wird es nun auch wieder nicht. Um den Gew??hnungseffekt von dauermasturbierenden Jungen in der Pubert??t sorgt sich schlie??lich auch keiner mehr. Vielleicht hat die eine oder andere einfach etwas aufzuholen oder m??chte ihren K??rper weiter erforschen. Die Technik hilft dabei - egal in welchem Alter. Au??erdem kann man es auch so sehen: Zusammen ist man weniger allein, und geteilte Lust ist doppelte Lust - ob mit oder ohne Spielzeug.



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