Anschlag??in Halle Ausgerechnet Jom Kippur

In Halle wurde eine Synagoge angegriffen - am h??chsten j??dischen Feiertag Jom Kippur. Veronique Br??ggemann erkl??rt, warum das die j??dischen Gemeinden besonders hart trifft.

Synagoge in Halle
Jan Woitas/ DPA

Synagoge in Halle

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Ausgerechnet Jom Kippur. Ein Satz, der mir nicht aus dem Kopf will. Ausgerechnet Jom Kippur. Wer J??dinnen und Juden treffen will, w??hlt Jom Kippur. Der w??hlt den heiligsten aller Tage, den diese Religion kennt. Jenen Tag, an dem Telefone und Internet ausgeschaltet bleiben, an dem in Israel kaum Autos auf den Stra??en fahren, alle Gesch??fte geschlossen sind, nichts im Fernsehen l??uft.

Es ist der Tag, an dem sogar jene fasten, die sonst vielleicht nicht religi??s sind. Es ist der Tag, an dem das j??dische Volk sich mit seinem Gott vers??hnt, nach innen schaut.

Jom Kippur nur als "h??chsten j??dischen Feiertag" zu bezeichnen, wird der Bedeutung nicht gerecht. Es ist nicht so wie Ostern und Weihnachten f??r viele Christen: Ein Feiertag, bei dem die Familie zusammenkommt, man gemeinsam isst, lacht, vielleicht in die Kirche geht, vielleicht aber auch nicht. An dem eher das Zusammensein, die Tradition wichtig ist, nicht so sehr der Glaube. Solche Tage gibt es nat??rlich auch im Judentum. Jom Kippur ist keiner davon.

Was ist Jom Kippur?

Jom Kippur ist ein zutiefst ernster, aufrichtiger, spiritueller Tag. Der Alltag ruht. Der Tag ist f??r das G??ttliche reserviert. Und das schon seit Mose. Denn seinen Ursprung hat der Vers??hnungstag ganz am Anfang der j??dischen Geschichte, kurz nach dem Auszug aus ??gypten - so steht es zumindest in der Bibel.

Es war der Tag, an dem Gott den Israeliten verzieh, dass sie das goldene Kalb anbeteten, w??hrend er Moses am Berg Sinai die Zehn Gebote gab. Sie taten Bu??e, baten aufrichtig um Vergebung, und Gott vergab ihnen.

Dieses Prinzip lebt bis heute weiter. Die Tage zwischen dem j??dischen Neujahrsfest Rosh Hashana und Jom Kippur sind traditionell die Zeit, in der J??dinnen und Juden auf das Jahr zur??ckschauen, ??ber die eigenen Verfehlungen nachdenken, Bu??e tun und um Vergebung bitten, sich vers??hnen. Erst untereinander und erst danach mit Gott.

Vers??hnung mit den Mitmenschen und Gott

In meiner j??dischen Familienh??lfte ist es ??blich, die n??chsten Angeh??rigen in diesen Tagen recht pauschal um Vergebung zu bitten, sollte man sie verletzt haben, auch ohne es zu wissen. Eine sch??ne Tradition.

Jom Kippur selbst, die 25 Stunden von Sonnenuntergang bis Einbruch der Dunkelheit am folgenden Tag, sind dann f??r Gebet, Fasten und f??r die Auss??hnung mit Gott reserviert. Fasten hei??t in der Regel: kein Essen, keine Getr??nke, auch kein Wasser. Beten, Lesen, Spazierengehen, Schlafen - so verbringen viele meiner j??dischen Bekannten und Verwandten diesen Tag in unterschiedlichen Auspr??gungen. Bis zum feierlichen Fastenbrechen am Abend.

In Israel steht das ??ffentliche Leben in dieser Zeit komplett still. Nat??rlich gibt es Ausnahmen: Kranke, Kinder und Alte m??ssen nicht fasten. Und im Notfall ist alles erlaubt. Denn das Gebot, Leben zu retten, steht ??ber allen anderen.

Augenzeugenvideo zeigt Sch??tzen:

Andreas Splett/ AFP

Anschlag in Halle

Am Mittwoch, am Jom Kippur, gab es in Halle, Sachsen-Anhalt, einen Angriff mit Schusswaffen bei dem zwei Menschen starben. Der mutma??liche T??ter versuchte erfolglos, in die dortige verschlossene Synagoge einzudringen. Zahlreiche Gl??ubige hatten sich dort versammelt. "Der T??ter schoss mehrfach auf die T??r und warf auch mehrere Molotowcocktails, B??ller oder Granaten, um einzudringen. Aber die T??r blieb zu, Gott hat uns gesch??tzt. Das Ganze dauerte vielleicht f??nf bis zehn Minuten", sagt der Gemeindevorsitzende.

Der Angreifer hat seine Tat gefilmt, in dem Video schimpft er ??ber Juden, die Ermittler gehen jetzt von einem antisemitischen und rechtsextremen Motiv aus.

Es gibt keinen friedlicheren Tag als Jom Kippur. Und es gibt keinen, an dem die j??dische Gemeinde so schutzlos, so verletzlich ist.

Es war kein Zufall, als die arabischen Staaten 1973 Israel genau an Jom Kippur den Krieg erkl??rten. Eine Armee ist schwer zu mobilisieren, wenn fast das ganze Land im Familienkreis fastet, in der Synagoge betet und auf Strom und Telekommunikation verzichtet.

Wer an diesem Tag eine Synagoge angreift, wei?? vermutlich, dass dort Juden beten. An einem Tag, der ihnen heilig ist wie kein Zweiter. Er wei?? wohl, dass dort vermutlich mehr Menschen sind als an jedem anderen Tag. Wer so etwas tut, hat es vermutlich geplant.

Wer ausgerechnet an Jom Kippur eine Synagoge angreift, will vermutlich genau das: Juden ihren heiligsten Tag mit Angst und Schmerz f??llen, statt mit Frieden und Vers??hnung. Und sie daran erinnern, dass sie nirgendwo sicher sind. Ausgerechnet in Deutschland. Ausgerechnet an Jom Kippur.

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