Hitzewelle in Indien 48 Grad, Tendenz steigend

In Delhi wurde es am Montag so hei??, dass mancherorts der Asphalt schmolz. Indien leidet aktuell unter extremer Hitze und D??rre. Die Vorboten des Klimawandels treffen das Land schlecht vorbereitet.

Rajesh Kumar Singh/ AP

Von , Bangalore


42 Grad seien unangenehm, sagt Rajeev Kumar, aber auszuhalten. 48 Grad - das sei unmenschlich. Das Schlimmste sei, wenn der Wind einem ins Gesicht bl??st. Dann brenne die Luft auf der Haut. Nach 12 Uhr mittags gehe man am besten nicht mehr vor die T??r. "Es ist einfach zu hei??."

Dabei hat Kumar vergleichsweise wenig Grund zu klagen, wie er sagt. Sein Vater betreibt einen Teeladen im indischen Delhi und manchmal verkauft der 31-J??hrige mit ihm dort Chai. Der Laden hat ein Dach aus Beton, das die beiden vor der brennenden Sonne sch??tzt. An der Decke dreht sich ein Ventilator und auf dem Tisch ebenso. Damit haben die Kumars die M??glichkeit, die derzeit viele Menschen in dem Land nicht haben: eine Chance, dem Schlimmsten zu entgehen.

Es ist hei?? in Indien; gef??hrlich hei??. Am Montag stiegen die Temperaturen in der Hauptstadt Neu-Delhi auf ein Allzeithoch von 48 Grad. Mancherorts schmolz der Asphalt. Am Rande der W??ste in Rajasthan wurden sogar fast 51 Grad gemessen.

Polizeischutz f??r Wassertanks

Hitzewellen sind in Indien oder auch in Pakistan zu dieser Jahreszeit nicht ungew??hnlich. Aber Temperaturen an die 50 Grad gelten auch hier als extrem. Die Hitze f??llt in diesem Jahr zudem mit einer monatelangen D??rre zusammen. Rund 40 Prozent des Landes, 500 Millionen Menschen, erleben laut indischem Fr??hwarndienst f??r D??rren derzeit ungew??hnliche Trockenheit. Hinzu kommen die Folgen jahrelanger intensiver Landwirtschaft, die das Grundwasser ausgezehrt hat. Brunnen und Seen sind vielerorts ausgetrocknet. Wo fr??her Seen glitzerten, birst derzeit trockene Erde. Trinkwasser ist zu einem kostbaren Gut geworden. Weswegen ??rtliche Beamte Wassertanks in D??rfer schicken; manchmal samt Polizeischutz zur Bewachung: Im Bundesstaat Jharkhand sollen laut Zeitungsberichten sechs Menschen verletzt worden sein, als es bei der Wasserausgabe zu Tumulten kam und ein Mann ein Messer zog.

All das k??nnte f??r Indien ein Vorgeschmack darauf sein, was kommt. Laut Klimaforschern drohen sich solche Zust??nde - gro??e Hitze und lange D??rre - auf dem Subkontinent in Zukunft zu h??ufen. Die Folgen des Klimawandels tr??fen damit ein Land, das wenig vorbereitet ist auf die Ver??nderung. Und dessen Bewohner bislang wenig Schuld daran tragen. Indien ist zwar mittlerweile der drittgr????te Klimas??nder, sein Pro-Kopf-Aussto?? an Treibhausgasen liegt aber nach wie vor weit unter dem weltweiten Durchschnitt.

Lebensgef??hrliche Arbeit im Freien

Nur eine kleine Elite der 1,3 Milliarden Inder besitzt zum Beispiel eine Klimaanlage; nur eine Minderheit einen K??hlschrank. Viele Inder verdienen ihren Lebensunterhalt im Freien. Sie bauen Stra??en, schleppen Schutt, fahren Rikschas oder arbeiten in der Landwirtschaft. F??r sie ist die Hitze m??rderisch, im wahrsten Sinne des Wortes: K??rperliche Schwerstarbeit unter diesen Umst??nden und ohne Schutz ist lebensgef??hrlich. Aber wer nicht zur Arbeit erscheint, wird nicht bezahlt. Viele klagen in diesen Wochen ??ber Schwindel, Hautausschl??ge, ??belkeit. Mehr als tausend Inder sollen bislang an den Folgen der Hitzewelle gestorben sein. Aber das ist nur eine Sch??tzung. 2015 waren es angeblich um die 2500. Was klar ist: Die Schw??chsten leiden - wie so oft - am meisten.

Ein Teil des Problems ist zudem selbstgemacht. Indiens Metropolen wachsen in rasanter Geschwindigkeit. B??ume weichen Stra??en und Apartmentanlagen. Seen und Gr??nfl??chen verschwinden unter Beton, wodurch sich die St??dte weiter aufheizen. An Orten wie Kalkutta oder Mumbai, die am Wasser liegen und wo sich hohe Temperaturen mit Feuchtigkeit mischen, ist der Aufenthalt im Freien noch unangenehmer, weil der K??rper die Hitze nicht mehr abgeben kann. Mehrere Studien kommen zu dem Schluss, dass - sollte es hei??er und feuchter werden - Teile S??dasiens bis zum Ende des Jahrhunderts unbewohnbar werden k??nnten, weil der menschliche K??rper unter solchen Bedingungen binnen Stunden ??berhitzt.

Sehnsucht nach dem Monsun

"All die Klimaanlagen, die die Hitze in die Stadt blasen. All die Autos, und kaum Gr??nfl??chen. Es liegt doch auf der Hand, dass es immer w??rmer werden muss", sagt Kumar. Aber wenn er mit Leuten auf der Stra??e spricht, dann sagen die: Es war doch schon immer hei??. Er hat ??ber schmelzende Gletscher gelesen und dar??ber, wie der Klimawandel fast alle L??nder der Erde bedroht. Aber er hat das Gef??hl, er sei einer der wenigen, die sich dar??ber Gedanken machen. "Wir m??ssen doch an die Zukunft denken."

Er und der Rest des Landes warten nun sehns??chtig auf den Monsun, der 80 Prozent des j??hrlichen Regenfalls mit sich bringt und Abk??hlung verspricht. Am Wochenende hat der Monsun - mit einer Woche Versp??tung - die S??dspitze des Landes erreicht. Aber es werden weitere Wochen vergehen, bevor die Regenwolken auch den Norden des Landes und damit Kumar in Delhi erreichen.



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