Attacke in Halle Was ??ber den Anschlag und den Verd??chtigen bekannt ist

Er wollte eine Synagoge st??rmen, schoss auf Passanten und Polizisten - und filmte sich dabei. Was ??ber den antisemitischen Anschlag von Halle und den Festgenommenen bekannt ist.

Andreas Splett/ AFP

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Der T??ter zeichnete alles auf. Die Sch??sse, die sterbenden Menschen. Wie er versucht, eine Synagoge zu betreten und scheitert. Wie er "Fuck" schreit und sich einen "Loser" nennt.

Das Video ist eine gute halbe Stunde lang und dokumentiert die Tat eines offensichtlich antisemitischen, rechtsextremen, radikalisierten jungen Mannes. Es zeigt nach SPIEGEL-Informationen Stephan B., 27 Jahre alt, aus Sachsen-Anhalt. Er hat einen gemieteten Golf mit Waffen und Sprengs??tzen beladen, um am h??chsten j??dischen Feiertag in Halle Menschen zu t??ten.

Der T??ter erschie??t einen Mann und eine Frau, verletzt weitere Personen, wird von der Polizei angeschossen. Er flieht zun??chst in seinem Wagen, dann in einem Taxi, ehe er einen Unfall baut und an der B91 festgenommen wird, einige Dutzend Kilometer s??dlich von Halle.

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Sachsen-Anhalt: T??dliche Sch??sse in Halle

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen ??bernommen. "Wir gehen von einer rechtsextremistischen und antisemitischen Motivation der Tat aus", sagte ein Beh??rdensprecher dem SPIEGEL.

Im Internet ist auch ein Manifest aufgetaucht, in dem detailliert Anschlagspl??ne beschrieben werden. Experten des International Centre for the Study of Radicalization (ICSR) in London haben es in einem rechten Forum entdeckt. Nach SPIEGEL-Informationen liegt das aus drei PDF-Dateien bestehende Dokument den Ermittlern vor.

Nach ersten Pr??fungen wird es als "authentisch" bewertet, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Unter anderem stimmten die in dem "Manifest" abgebildeten und vom T??ter offenbar teils selbst gebauten Schusswaffen mit den tats??chlich bei dem Anschlag eingesetzten Waffen ??berein. Demnach ist in dem Dokument davon die Rede, "vorzugsweise Juden" zu t??ten. Auch Muslime oder Linke werden als potenzielle Ziele erw??hnt.

Spitzenpolitiker aus dem In- und Ausland zeigten sich ersch??ttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte noch am Mittwochabend eine Synagoge in Berlin, um ihre Solidarit??t mit der j??dischen Gemeinde auszudr??cken.

Video aus Halle: "Wie eine Geisterstadt"

SPIEGEL ONLINE

Noch ist nicht viel ??ber Stephan B. bekannt. Nach Informationen des SPIEGEL war er der Polizei zuvor nicht aufgefallen. Er lebt offenbar allein mit seiner Mutter in Benndorf, deren Wohnung wurde am Mittwochabend von Ermittlern durchsucht. Von Nachbarn hei??t es, Stephan B. habe zur??ckgezogen gelebt, nie gegr????t, in Halle studiert.

Waffen und Sprengs??tze im Wagen

Die ersten Notrufe hatten die Polizei um kurz nach 12 Uhr erreicht. Die Videoaufzeichnung des T??ters beginnt auf einem Parkplatz. Man sieht das Lenkrad seines Golf, h??rt ihn fluchen. "So ein Dreck", sagt er. Und: "Na komm, ??ffne."

Er will seine Taten ins Netz streamen, zun??chst funktioniert es offenbar nicht so, wie er will. Sp??ter kursiert das Video kurzzeitig auf der Plattform Twitch, die vor allem Gamer benutzen. Stephan B. will gesehen werden, von einem globalen Publikum. Deswegen spricht er immer wieder auch englisch. Das Video liegt dem SPIEGEL vor.

In einer Hassrede leugnet er den Holocaust, ehe er sich einen Helm mit der Kamera aufsetzt und losf??hrt. Rapmusik l??uft. Nach kurzer Fahrt h??lt er vor der Synagoge. Er greift zu einer der vielen Waffen, die im Wagen liegen, sie sehen selbstgebaut aus. Dann ist zu sehen, wie Stephan B. versucht, in die Synagoge einzudringen, wie er einen Sprengsatz z??ndet und eine zuf??llig vorbeikommende Frau von hinten erschie??t.

"Gott hat uns gesch??tzt"

Seine Sch??sse sind auch in der Synagoge zu h??ren, der Gottesdienst wird unterbrochen. Gemeindevorsteher Max Privorozki kann nach eigenen Angaben ??ber eine Kamera beobachten, wie Stephan B. versucht, in die verschlossene Synagoge einzudringen.

"Der T??ter schoss mehrfach auf die T??r und warf auch mehrere Molotowcocktails, B??ller oder Granaten, um einzudringen. Aber die T??r blieb zu, Gott hat uns gesch??tzt. Das Ganze dauerte vielleicht f??nf bis zehn Minuten", sagt der Gemeindevorsteher. In der Synagoge befanden sich Privorozki zufolge auch mehr als zwei Stunden nach dem Angriff etwa 70 bis 80 Menschen.

Der T??ter bricht seinen Angriff schlie??lich ab. Er geht zur??ck zu seinem Wagen und trifft auf einen Mann. Es kommt zu einem Wortwechsel, der T??ter z??ckt seine Waffe und dr??ckt ab - doch es l??st sich kein Schuss. Der Mann steigt in den Wagen und f??hrt davon. Er bleibt unverletzt, weil die Waffe des T??ters in diesem Moment offenbar streikt.

Er schie??t auf Polizisten

Im Anschluss wirft der T??ter einen Sprengsatz in einen D??nerimbiss und erschie??t einen Mann in dem Laden. In dem Video ist zu sehen, dass er vor dem Lokal noch zweimal auf Passanten schie??t, die davonlaufen.

Als die ersten Polizisten auf der Stra??e vor dem Imbiss halten, verschanzt sich der T??ter hinter seinem Wagen und schie??t auf die Polizisten. Er wird selbst getroffen und flieht mit seinem Wagen.

"Die Brutalit??t des Angriffs ??bersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist f??r alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Er erhob auch schwere Vorw??rfe gegen die Polizei. "Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei gesch??tzt war, ist skandal??s."

Mit Recherchen von Maik Baumg??rtner, Thomas Heise, Roman Lehberger, Claas Meyer-Heuer, Sven R??bel, Philipp Seibt, Wolf Wiedmann-Schmidt und mit Material von dpa

insgesamt 270 Beitr??ge
Alle Kommentare ??ffnen
Seite 1
h.hass 10.10.2019
1.
Die Politik muss endlich aufwachen. Antisemitismus in jeder Form muss viel h??rter bestraft werden. Es kann nicht sein, dass die Hisbollah durch Berlin marschiert und AfD-Politiker antisemitische Verschw??rungstheorien produzieren. Und Fluggesellschaften, die keine Juden mitnehmen, bekommen hierzulande eben kein Landeverbot mehr. Die Gesetze m??ssen endlich versch??rft werden, da ist garantiert noch Luft nach oben.
maddymai 10.10.2019
2.
Ich bin froh dar??ber, dass nicht noch mehr Menschen gestorben sind, und es tut mir ungemein leid um die, die sterben mussten. Menschen wie Stephan B. sind f??r mich einfach nur erb??rmlich (und werden hoffentlich so hart wie m??glich bestraft. Irgendwie muss man Grenzen setzen).
aberhalloja 10.10.2019
3. Gesetze versch??rfen?
Im Ernst Herr Hass? Totaler bl??dsinn diese Sau mal wieder durchs Dirf zu treiben. Gesetze anwenden wird schon reichen. Selbstverst??ndlich ist eine solche Tat auch jetzt schon unendschuldbar und Strafbar. Richtig ist sich zu solidarisieren und zu zeigen, dass antisemitismus nicht geduldet wird. Das ist eine Aufgabe f??r jeden B??rger und effektiver als mal wieder nach dem Staat zu rufen der ja so versagt...
Olaf 10.10.2019
4.
Mein Beileid den Angeh??rigen der Toten. Es ist so sinnlos. F??r die Menschen in der Synagoge muss es schrecklich gewesen sein. Eingesperrt und nur hoffen zu k??nnen, dass die T??r den Attacken des T??ters standh??lt. Das waren schlimme Minuten.
icke_hier 10.10.2019
5. ??bles Deutschland
Im Gegensatz zu einigen ewig Gestrigen ohne Hirn und Verstand und die sich vermutlich wegen Halle gerade auf ihre Buckel hauen, kann man auf dieses Land immer weniger stolz sein. Ja, ich sch??me ich mittlerweile daf??r in einigen Punkten f??r dieses Land und f??r Deutsche! Was ist in deren Elternh??usern, in deren Schulumfeld, Sozialumfeld, in der Gesellschaft blo?? schief gelaufen, dass solch hirnlose Dummbratzen (in aller Deutlichkeit: rechter Abschaum!) sich anscheinend pr??chtig entwickeln k??nnen und ihre geistesgest??rte Denke auch noch in Taten umsetzen k??nnen? Ist das Tolerieren von anderen Meinungen - also auch rechter Denkweise und somit im Allgemeinen das Akzeptieren von Dummheit - wirklich die Achillesferse in unserer Demokratie? Sind ein klein bisschen Verstand, Achtung und Entspanntheit zwischen Menschen, f??r Menschen, von Menschen auf dieser Welt wirklich nicht m??glich? ... Ich kapier's nicht!
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