??kologin Aurora Torres, 32, arbeitet am Deutschen Zentrum f??r integrative Biodiversit??tsforschung Halle-Jena-Leipzig.

SPIEGEL: Kaum ein Rohstoff scheint auf der Erde so unersch??pflich zu sein wie Sand. Warum fordern Forscher jetzt in "Nature" dazu auf, die F??rderung zu reglementieren?

Torres: Der massenhafte Abbau von Sand ist ein v??llig untersch??tztes Thema. Die Menschheit nutzt diese Ressource inzwischen in einem noch nie dagewesenen Ausma??. Weil Sand f??r die Herstellung von Beton ben??tigt wird und weil wegen der wachsenden Weltbev??lkerung ??berall die St??dte expandieren, werden enorme Mengen davon ben??tigt.

SPIEGEL: Wo wird denn am meisten Sand abgebaut?

Torres: Die Gewinnung findet in fast jedem Land der Welt statt, am st??rksten aber in sich schnell entwickelnden Regionen wie Indien oder China. Sand ist von Natur aus anf??llig f??r Raubbau ??? weil er so leicht zug??nglich ist und weil man kein gro??es Equipment braucht. In einigen armen Regionen der Welt gehen die Menschen morgens zum Strand oder zum Flussufer, um Sand in ihre Eimer zu schaufeln und mit dem Verkauf auf der n??chsten Baustelle ein wenig Geld zu verdienen. Mir ist das ganze Ausma?? des Problems vor etwa f??nf Jahren klar geworden, als ich miterlebt habe, wie in Jamaika ein ganzer Strand verschwunden ist, um daraus Beton herzustellen.

SPIEGEL: Warum ist es schlimm, wenn irgendwo ein Strand verschwindet?

Torres: Fl??sse und Meeresstr??nde sind dynamische Systeme. Massenhafter Sandabbau kann den Verlauf von Fl??ssen ??ndern und den Uferbereich erodieren. Der Trinkwasserspiegel kann absinken, Brunnen versiegen, das ??kosystem ??ndert sich. Einige Krokodil- und Schildkr??tenarten, die ihre Eier im Sand vergraben, sind durch den Sandabbau gef??hrdet. In K??stenn??he kann das Trinkwasser versalzen, sogar die Auswirkungen des Tsunamis von 2004 waren auf Sri Lanka durch die Ver??nderung der K??stenlinie deutlich schlimmer, als sie es sonst gewesen w??ren. Aber es gibt nicht nur ??kologische Folgen, das friedliche Miteinander der Menschen ger??t in Gefahr. Denn es bilden sich sogar kriminelle Strukturen, Sand-Mafias, die den Abbau kontrollieren.

SPIEGEL: Was l??sst sich dagegen tun?

Torres: Das ist ganz schwierig, vor allem wenn die Preise weiter steigen. Ich wei??, dass solche Ver??nderungen Zeit brauchen. Aber es gibt zum Sandabbau immerhin schon Empfehlungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, ihnen sollten wir folgen. Die wichtigste Ma??nahme ist nat??rlich, den weltweiten Sandverbrauch zu senken. Zum Beispiel sollten wir Sand recyceln und Ersatzmaterialien verwenden, etwa zerriebene Kieselsteine, Bruchstein oder Plastik. Es darf kein unkontrollierter Raubbau mehr betrieben werden.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 28/2019.
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