Boris Johnsons Bewerbungsrede "Das Land kann mir vertrauen"

Boris Johnson will britischer Premier werden und h??lt einen besseren Brexit-Deal f??r m??glich. Er verspricht aber, noch im Oktober mit seinem Land aus der EU auszutreten. Dass Br??ssel nachverhandelt, ist unwahrscheinlich.

Boris Johnson h??lt seine Rede
Tolga AKMEN / AFP

Boris Johnson h??lt seine Rede


Boris Johnson gilt als Favorit f??r die Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May. In einer Bewerbungsrede hat er seine Ambitionen im Rennen um das Amt als Partei- und Regierungschef nun unterstrichen - und angek??ndigt, den Brexit durchziehen zu wollen. Er k??nne das schaffen und die Wahl gewinnen, sagte der fr??here Londoner B??rgermeister und Ex-Au??enminister. Sein Ziel, so der konservative Politiker, sei es, die oppositionelle Labour Party aus der Regierung zu halten.

"Das Land kann mir vertrauen", sagte der 54-J??hrige. Seinen R??cktritt als Au??enminister vor knapp einem Jahr hatte er mit einem aus seiner Sicht drohenden zu laschen "Semi-Brexit" begr??ndet. Nun klingt er offener. "Ein No-Deal-Brexit ist nicht mein Ziel", sagte Johnson zum Wahlkampfauftakt. Er wolle das Abkommen ??ber den EU-Austritt nachverhandeln.

Johnson will Brexit-Deal nachverhandeln

Johnson versprach seiner konservativen Partei aber auch, Gro??britannien binnen wenigen Monaten aus der Europ??ischen Union zu f??hren. "Nach drei Jahren und zwei gerissenen Fristen m??ssen wir die EU am 31. Oktober verlassen", sagte er - und warnte seine ??ber den Brexit zerstrittene Partei: "Versp??tung bedeutet Niederlage."

Ein "besserer Deal" sei m??glich, sagte Johnson. Zugleich m??sse das Land sich darauf vorbereiten, um den Druck auf die Verhandlungspartner in Br??ssel zu erh??hen. Die EU wiederum hat Nachverhandlungen an dem Austrittsvertrag bereits mehrfach abgelehnt. EU-Kommissionspr??sident Jean-Claude Juncker wiederholte in einem Gespr??ch mit "Politico" erst am Dienstag: Der Vertrag m??sse respektiert werden, wer auch immer der n??chste britische Premierminister sein werde.

EU: Harter Brexit bleibt m??glich

Die Europ??ische Kommission wiederum hat ihre Notfallpl??ne f??r einen Brexit ohne Abkommen aktualisiert. L??nder, Unternehmen und Menschen m??ssten auf einen harten Austritt Gro??britanniens vorbereitet sein, teilte die Beh??rde erneut mit. "Die Kommission ist der Ansicht, dass ein R??ckzug des Vereinigten K??nigreichs ohne ein Abkommen mit all seinen negativen wirtschaftlichen Folgen ein m??gliches Ergebnis bleibt", hie?? es. Unter Ber??cksichtigung der politischen Entwicklungen werde weiterhin beobachtet und gepr??ft, ob eine Ausweitung der verabschiedeten Pl??ne n??tig ist.

Auch bei einem harten Brexit will die EU zudem noch Milliardenbetr??ge aus London. Die finanziellen Verpflichtungen, die Gro??britannien "als Mitgliedstaat eingegangen ist", m??ssten erf??llt werden, teilte die EU-Kommission mit. Der Austrittsvertrag sieht vor, dass Gro??britannien f??r zugesagte Betr??ge auch nach dem Austritt gesch??tzt noch 35 bis 39 Milliarden Pfund (39,3 bis 43,8 Milliarden Euro) bezahlt. Johnson hatte angedroht, diese Rechnung platzen zu lassen.

May war mit dem Deal ??ber den EU-Austritt dreimal im Parlament gescheitert und als Konsequenz vergangene Woche von ihrem Amt als Parteichefin zur??ckgetreten. Von den insgesamt zehn Bewerbern werden Johnson die besten Chancen einger??umt. Die Zahl der Kandidaten soll nun in mehreren Wahlg??ngen von der Tory-Fraktion auf zwei reduziert werden. Die sollen sich dann einer Stichwahl unter den rund 160.000 Tory-Mitgliedern stellen. Bis Ende Juli soll der neue Parteichef und Premierminister feststehen.

apr/Reuters/dpa



insgesamt 83 Beitr??ge
Alle Kommentare ??ffnen
Seite 1
m_s@me.com 12.06.2019
1. Die Briten ziehen in allerletzter Sekunde zur??ck
Und dann sieht es so aus, als seien sie (fast) ganz heroisch aus der b??sen EU ausgetreten. Falls Boris Johnson an die Macht kommt, wird es h??chstwahrscheinlich so ausgehen. Denn bei seinen "Verhandlungsk??nsten" schiede UK dann "hart" aus, und das werden schlauere K??pfe als er (nicht so schwer zu finden) verhindern.
Immanuel K. 12.06.2019
2. Wie k??nnen die...
...Anh??nger von Herrn Johnson nur glauben, dass irgend jemand mit ihm einen (besseren) Vertrag verhandeln w??rde, wo er doch gerade angek??ndigt hat, sich an bestehende Vertr??ge nicht halten zu wollen... Er hat doch schon beim Brexit-Wahlkampf Behauptungen aufgestellt und Versprechungen gemacht, die schlicht und ergreifend gelogen waren... Wie kurz kann ein Ged??chtnis sein?
Oettinger1977 12.06.2019
3. Kopfsch??tteln
Man hat anscheinend schnell wieder vergessen wie er sich damals vor der Verantwortung gedr??ckt und als Au??enminister wenige Fettn??pfchen ausgelassen hat. Man kann als Au??enstehender nur mit dem Kopf sch??tteln und an der angeblichen Vernunft der Menschen zweifeln - er ist ja nicht das einzige Beispiel daf??r.
olli118 12.06.2019
4. UK bekommt die F??hrung, die es verdient
Ich kann es nicht mehr h??ren. W??hlt den Demagogen, der Euch mit L??gen verf??hrt hat, verlasst die EU mit oder ohne Deal, und gut ist es. Keine Zugest??ndnisse mehr, kein Einknicken. Der Mann ist so vertrauensw??rdig wie der Fuchs im H??hnerstall. Aber wenn die Briten es so wollen, bitte sch??n. Und tsch??ss.
alternativlos 12.06.2019
5. Steueroase for sale
Einen angenehmen und erholsamen Urlaub auf der Insel der gl??ckseligen Eliten und Adeligen mit extra vielen W??rstchen. Weiterhin Alles Gute
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