Bericht ??ber geplante Wahlkampfhilfen f??r Salvini Die "Aff??re Metropol"

Verhandlungen im Moskauer Luxushotel, angebliche Pl??ne f??r Wahlkampfhilfe aus Russland in Millionenh??he: Ein Bericht wirft ein schlechtes Licht auf Italiens Innenminister Salvini.

Matteo Salvini: weist den Verdacht der K??uflichkeit zur??ck
Alessandro Bianchi/ REUTERS

Matteo Salvini: weist den Verdacht der K??uflichkeit zur??ck


Ein schillernderer Ort ist kaum vorstellbar, sollten Italiener und Russen ??ber geheime Geldfl??sse verhandeln. Moskau, Hotel Metropol, einst ein Schauplatz der Russischen Revolution, an dem Zaristen gegen Bolschewiken k??mpften. Heute ein F??nf-Sterne-Haus. Hier soll sich am 18. Oktober vorigen Jahres Gianluca Savoini, ein Vertrauter des italienischen Vizepremiers Salvini, mit drei Russen getroffen haben, die offenbar dem Kreml nahestanden.

So berichtet es das Portal "Buzzfeed". Demnach diskutierte die Fr??hst??cksrunde einen brisanten Deal. Savoini und seine Gespr??chspartner sollen sondiert haben, wie der Kreml diskret einen zweistelligen Millionenbetrag nach Italien schaffen k??nnte, zur Lega, Salvinis aufstrebender Partei.

Das Geld sollte dem Bericht zufolge rechtzeitig vor der Europawahl bei den italienischen Rechtspopulisten ankommen, als gro??z??gige Spende f??r die gemeinsame Sache. "Wir wollen Europa ver??ndern. Ein neues Europa muss Russland nahestehen wie fr??her, weil wir unsere Souver??nit??t zur??ckhaben wollen", soll Savoini laut dem Transkript einer Audiodatei im Besitz von "Buzzfeed" gesagt haben. Salvini sei der erste Mann, der ganz Europa ver??ndern wolle. Zusammen mit Verb??ndeten wie der AfD in Deutschland, der FP?? aus ??sterreich, Marine Le Pen und Viktor Orb??n, die alle f??r Russland seien.

Der Vorgang erinnert an die "Ibiza-Aff??re"

Ein kompliziertes ??lgesch??ft sollte demnach den Geldfluss m??glich machen. Russische und italienische Energiekonzerne w??rden sich ??ber den Verkauf von Roh??l im Wert von etwa 1,5 Milliarden Dollar einigen. Ein millionenschwerer Rabatt k??nnte dann auf verschlungenen Wegen bei der Lega landen und deren Europawahlkampf finanzieren, so der Bericht von "Buzzfeed".

Sollte sich alles so zugetragen haben, erinnert der Vorgang an ein Geheimtreffen des damaligen ??sterreichischen Vizekanzlers und FP??-Chefs Heinz-Christian Strache auf Ibiza, das der SPIEGEL und die "S??ddeutsche Zeitung" Mitte Mai enth??llten und das zum Sturz der Wiener Regierung f??hrte.

In beiden F??llen ging es um eine russische Unterst??tzung rechtspopulistischer Parteien in Europa. Beide Male gibt es einen Mitschnitt des jeweiligen Treffens, entweder auf Video (Strache) oder als Audiodatei (Savoini). Und beide Male kam das diskutierte Gesch??ft offenkundig nicht zustande.

W??hrend allerdings Strache auf dem Video klar zu erkennen ist, sich mit kompromittierenden Aussagen belastet und diese einger??umt hat, bleiben nach dem Treffen im Hotel Metropol viele Fragen offen:

  • Wer war ??berhaupt dabei? Nur Gianluca Savoini wird mit Namen genannt, wer seine beiden italienischen Begleiter waren, ist unklar.
  • Wer waren die russischen Verhandlungspartner? Es ist nicht gelungen, ihre Identit??t zu enth??llen. "Buzzfeed" vermutet, dass es sich um hochrangige Regierungsangeh??rige handelt. Harte Beweise gibt es nicht. Ebenso wenig existieren Belege daf??r, dass Geld geflossen ist. Oder dass Salvini - der immerhin zur gleichen Zeit in Moskau weilte - von dem Treffen wusste.

In Italien sorgt die "affaire russo" dennoch f??r Wirbel. Schon im Februar hatten zwei Journalisten des italienischen Magazins "L'Espresso" ??ber das Treffen im Metropol berichtet. Wie der "Guardian" nun meldet, befassen sich seither Ermittler in Mailand mit dem Fall: Sie gehen demnach dem Verdacht der internationalen Korruption nach.

Salvinis Sprecher wehrte die Nachrichten im Februar als "Fantasien" ab, w??hrend Gianluca Savoini laut "Buzzfeed" von "Fiktion" sprach. Die Audiodatei liefert nun immerhin neue Belege f??r die Verhandlungen.

"Niemals habe ich einen Rubel angenommen"

Matteo Salvini, Innenminister und Parteivorsitzender der Lega, weist den Verdacht der K??uflichkeit zur??ck: "Niemals habe ich einen Rubel, einen Euro, einen Dollar oder einen Liter Wodka als Finanzierung von Russland angenommen." Savoini, der den Lega-Chef seit 20 Jahren kennt und fr??her als dessen Sprecher diente, dementiert: "Wir haben kein Geld angenommen." Italiens Energiekonzern Eni, laut "Buzzfeed" als Gesch??ftspartner des ??l-Deals vorgesehen, weist den Verdacht ebenfalls zur??ck.

Im hei??en r??mischen Sommer bleibt das Moskauer Treffen trotzdem ein Thema. Salvini und sein ungeliebter Regierungspartner Luigi Di Maio von der F??nf-Sterne-Bewegung liefern sich eine Art Endloswahlkampf.

Die Opposition greift derweil nach jeder Chance, um Salvinis erfolgreiches Dauerfeuer in Sachen Migration zu durchbrechen. Schon dass ein Vertrauter des Lega-Chefs in Moskau ??ber Finanzhilfen verhandelt, ist f??r dessen Gegner brisant genug. F??r sie passt es in eine verst??rende politische Lage. Schlie??lich richtet der Innenminister, dessen Partei bei den Europawahlen 34 Prozent der Stimmen erhielt, sein Land konsequent Richtung Kreml aus. Regelm????ig reist er nach Moskau und fordert ein Ende der westlichen Sanktionen gegen Russland. Der russische Pr??sident Wladimir Putin hat es ihm vorige Woche beim Besuch in Rom gedankt. "Unsere Standpunkte stimmen ??berein", sagte er.

insgesamt 20 Beitr??ge
Alle Kommentare ??ffnen
Seite 1
sibbi78 11.07.2019
1. Wenn europ??ische oder auch amerikanische Politiker
hohe Summen und/oder logistische Hilfe aus Russland annehmen, um ihren Wahlkampf zu f??hren bzw. ihre Macht auszubauen und im Gegenzug moskaufreundlich agieren, also z.B. die EU massiv schw??chen, ist das doch Landesverrat und diese Politiker sind Agenten des Kreml - oder? In der Bundesrepublik ist allein schon damit der Tatbestand des ?? 94 StGB erf??llt, in anderen demokratischen L??ndern sieht es ??hnlich aus. Ich bin allerdings kein Jurist...
Stereo_MCs 11.07.2019
2. klingt schl??ssig
Zweifelt wirklich jemand daran, dass der Kreml die Lega mit Geld unterst??tzen will oder dies sogar schon getan hat, nach dem Ibiza Video, dem 40 Mio. Euro "Kredit" f??r Frau LePen und den FN https://www.sueddeutsche.de/politik/russland-und-der-front-national-analyse-le-pens-draht-nach-moskau-1.3387671 und den Papieren die belegen, dass Frohnmaier eine Marionette des Kreml sein soll? Und dass ein AFD Bundestagsmitarbeiter, und enger Freund Frohnmaiers mutma??lich einen Terroranschlag im Sinne des Kreml gegen die Ukraine geplant und finanziert hat, ist bestimmt auch Zufall. https://www.sueddeutsche.de/politik/afd-terrorismus-russland-ukraine-1.4310550 Und dass der GRU in Ungarn Rechtsextreme trainiert und mit modernen Schusswaffen versorgt, sicher auch: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/ungarn-viktor-orbans-eldorado-fuer-rechtsextreme-a-1147715.html (unten)
HeisseLuft 11.07.2019
3. ??h, SPON?
Hier wird irgendwie der Eindruck erweckt, als w??re das eine gro??e Neuigkeit. Ist es nicht. Dar??ber wurde bereits berichtet. Neu ist: Buzfeed verf??gt ??ber *heimlich aufgenommene Tonaufnahmen*. Ibiza l??sst auch sch??n Gr????en. Um bei dieser Gelegenheit die Berichterstattung des ??sterreichischen Standard zu zitieren: "Das Nachrichtenmagazin L'Espresso hatte ??ber das Treffen vom 18. Oktober 2018 im Moskauer Hotel Metropol schon im Februar berichtet ??? und ??ber die Verbindungen des Innenministers zum Umfeld von Wladimir Putin sind auch schon zwei Enth??llungsb??cher erschienen. Die Tonaufnahmen von Buzzfeed liefern zu Salvinis brisanter Moskau-Connection lediglich den bisher fehlenden Soundtrack. Schl??sselfigur dieser Connection ??? und vor allem des Treffens in Moskau ??? ist Salvinis Vertrauter Gianluca Savoini (56), ehemaliger Journalist bei der Lega-Zeitung La Padania. Nach der Wahl Salvinis zum Chef der Lega im Dezember 2013 wurde er dessen Sprecher. Savoini, der mit einer Russin verheiratet ist, ist Pr??sident der Vereinigung "Lombardia-Russia"; laut ehemaligen Arbeitskollegen bei La Padania sympathisiert der Salvini-Vertraute mit faschistischem und neonazistischem Gedankengut." etc. Aus: https://www.derstandard.at/story/2000106189396/matteo-salvini-und-die-russland-connection-der-lega
at.engel 11.07.2019
4.
Das w??rde bedeuten, dass es Leute in der italienischen Industrie gibt - und damit meine ich nicht einzelne Personen, sondern ganze Seilschaften - die extrem-rechts unterst??tzen. Das sollte eigentlich auch Br??ssel interessieren! Aber ein paar handfeste Beweise braucht es da schon; nur von einem "schlechten Licht" lassen die sich nicht aus dem Konzept bringen.
binibona 11.07.2019
5. @heisseluft
Viel weniger ist schon zu viel. Verrat in 2018 macht es 2019 nicht besser. Fehlt nur noch das die KPD in den 70er Jahren auch Kontakt zu Moskau hatte und man sich heute nicht ??ber die Neu Faschisten aufregen soll. Bad is bad even Yesterday and also today.
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