T??rkische Offensive Wettlauf um Syrien

Die USA wollen aus dem Nordosten Syriens abziehen, die T??rkei hat??ihre Offensive begonnen. Russland, der "IS" und Iran haben jeweils ihre eigene Agenda, Israel ist alarmiert. Der ??berblick ??ber die wichtigsten Akteure.

Ein SDF-K??mpfer im Grenzgebiet
Delil Souleiman/ AFP

Ein SDF-K??mpfer im Grenzgebiet

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Fast ein Drittel des syrischen Staates haben die "Syrischen Demokratischen Kr??fte" (SDF) zuletzt mit Unterst??tzung der USA kontrolliert. Zwar waren es die eher d??nnbesiedelten Gebiete im Nordosten des Landes, doch diese bergen Syriens - wenige - ??lquellen sowie gro??e, fruchtbare Felder. Die Gegend ist die Kornkammer des B??rgerkriegslandes. Wer die Region kontrolliert, hat etwas zu sagen in den Verhandlungen ??ber die Zukunft Syriens.

Doch US-Pr??sident Donald Trump will die US-Soldaten nun komplett aus diesem Gebiet abziehen, nachdem er ihre Zahl vor knapp einem Jahr bereits auf tausend halbiert hatte. Ohne diese Hilfe werden die SDF kaum noch das gesamte Gebiet halten k??nnen.

Vor allem verhinderte die Pr??senz der US-Special Forces im syrisch-t??rkischen Grenzgebiet bisher einen Einmarsch des amerikanischen Nato-Partners ??stlich des Euphrats. Dieser scheint nur noch eine Frage der Zeit. Es droht ein neuer Wettlauf um Syriens Nordosten.

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Tats??chlich hat dieser schon begonnen. Nachdem die SDF ihre K??mpfer verst??rkt an die syrisch-t??rkische Grenze hatten verlegen m??ssen, kam es in Rakka an der s??dlichen Grenze des von ihnen kontrollierten Gebietes bereits zu Gefechten.

Die Interessen der wichtigsten Akteure im ??berblick:


  • "Islamischer Staat"

Die Terrormiliz IS hat in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bei Rakka einen Posten der SDF angegriffen. Also ausgerechnet in jener Stadt, die einst die "Hauptstadt" des IS gewesen ist, ehe sie die SDF-K??mpfer 2017 unter hohem Blutzoll und mit Luftunterst??tzung der US-gef??hrten Anti-IS-Allianz zur??ckerobern konnten.

Die Dschihadisten d??rften einer der gro??en Gewinner des US-Abzugs werden. Denn der IS wurde zwar massiv zur??ckgedr??ngt von den SDF und seinen internationalen Verb??ndeten. Doch diese Allianz droht nun zunehmend zu zerfallen - auch die SDF selbst k??nnten sich aufspalten in ihren harten Kern aus Guerillak??mpfern mit engen Verbindungen zur kurdischen Arbeiterpartei PKK und anderen arabischen Milizen.

Der IS ist nach wie vor die reichste Terrororganisation der Welt mit einem Verm??gen von gesch??tzt rund 300 Millionen Dollar. Allein in Syrien sollen Tausende K??mpfer im Untergrund lauern.


  • T??rkei

Der Einmarsch der t??rkischen Truppen ist am Mittwochmittag erfolgt. Pr??sident Recep Tayyip Erdogan verfolgt gleich drei Ziele:

  • Er will, erstens, die kurdische Arbeiterpartei PKK dauerhaft zur??ckdr??ngen, die er f??r gef??hrlicher h??lt als den IS. Er will entlang der syrisch-t??rkischen Grenze eine Art Pufferzone errichten, aus der die Syrer, die bislang dort leben, darunter viele ethnische und religi??se Minderheiten, wohl vertrieben w??rden, um rund eine Million syrische Fl??chtlinge aus der T??rkei anzusiedeln.
  • Denn Erdogan will, zweitens, einen Teil der Fl??chtlinge loswerden. Zuletzt wuchs in der T??rkei der Unmut gegen die Syrer. Kein Land der Welt hat so viele Fl??chtlinge aufgenommen wie die T??rkei.
  • Drittens erhofft sich Erdogan so mehr Einfluss auf die Zukunft Syriens.

Lange hatten ihn Moskau, Teheran und Damaskus ??berhaupt nicht ernst genommen. Doch seit er zunehmend Teile Syriens besetzt, muss auch er in Verhandlungen miteinbezogen werden.


  • Russland und Iran

F??r Syriens Baschar al-Assad und seine Verb??ndeten, Russland und Iran, ist der Abzug der USA eine Chance. Denn nun haben die SDF-Einheiten kaum eine andere Wahl, als mit ihnen Verhandlungen aufzunehmen. Assad weigert sich, den SDF regionale Autonomie zuzugestehen - ihre wichtigste Forderung.

Denkbar ist, dass sich nicht Damaskus, sondern Moskau den SDF als neue Schutzmacht anbietet. Ein solcher Schritt w??rde es den Kremlstrategen erm??glichen, sich als verl??sslicher Partner zu pr??sentieren. Tats??chlich forderte Russlands Au??enminister Sergej Lawrow bereits am Mittwoch Verhandlungen zwischen Assad und den SDF ??ber Syriens Nordosten.

Russlands Au??enminister Sergej Lawrow fordert Verhandlungen zwischen dem Assad-Regime und den SDK-Kr??ften
DPA

Russlands Au??enminister Sergej Lawrow fordert Verhandlungen zwischen dem Assad-Regime und den SDK-Kr??ften

Russland d??rfte sich nun als neutraler Makler pr??sentieren, der den SDF zusichert, gegen??ber dem syrischen Regime eine gewisse Autonomie zu behalten, wenn sie auf die Seite von Assad und seinen Verb??ndeten wechseln. Und damit auf ihre.


  • Israel

Das Nachsehen in diesem internationalen Geschacher hat zun??chst Israel. Dort w??chst die Sorge, dass Assad und seine Verb??ndeten mittelfristig den Nordosten Syriens wieder unter ihre Kontrolle bekommen k??nnten. Durch diesen verlaufen Schnellstra??en, die Syrien mit dem Irak und Iran verbinden. Dieser Landkorridor ist f??r Iran und dessen geostrategisches Gro??projekt eines "Schiitischen Halbmonds" von herausragender Bedeutung.

Iran k??nnte so leichter seine Stellungen in Syrien ausbauen und seine Verb??ndeten im Libanon, die schiitische Hisbollah-Miliz, aufr??sten. Sowohl Syrien als auch der Libanon grenzen an Israel. Der Schattenkrieg zwischen den beiden Erzfeinden Iran und Israel k??nnte so weiter an Fahrt aufnehmen.

Irans geostrategisches Gro??projekt: der "Schiitische Halbmond"
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Irans geostrategisches Gro??projekt: der "Schiitische Halbmond"

"Die Lektion, die Israel daraus zieht, ist simpel", schrieb Naftali Bennet, der bis vergangenes Jahr dem israelischen Sicherheitskabinett angeh??rte, auf Twitter. "Der j??dische Staat wird sein Schicksal niemals in die H??nde anderer legen, die USA, unseren gro??en Freund, eingeschlossen."

Offen ist noch, wie Trump mit dem US-St??tzpunkt al-Tanf verfahren will, der au??erhalb der SDF-kontrollierten Gebiete im S??dosten Syriens liegt - entlang einer weiteren Schnellstra??e, die Iran ??ber den Irak mit Syrien verbindet. Wenn Trump auch diese potenzielle Landbr??cke aufgibt, d??rfte Israel besonders alarmiert sein. (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergr??nden)


  • Europ??ische Union

Grund zur Sorge haben vor allem die EU-Staaten: Frankreich und Gro??britannien waren bisher mit kleinen Spezialeinheiten im Nordosten Syriens unterwegs, um den Kampf gegen den IS zu unterst??tzen. Doch ohne US-Hilfe d??rften sie ihren Einsatz kaum aufrechterhalten k??nnen.

Die Vereinigten Staaten hatten vergeblich eine gr????ere milit??rische Beteiligung der Europ??er gefordert, allerdings bauten diese ihr ziviles Engagement aus. Deutschland etwa hat jegliche Bodentruppenunterst??tzung in Syrien abgelehnt, ist aber einer der wichtigsten Geldgeber f??r den Nordosten Syriens.

Was nun aus den vom Westen finanzierten Projekten - Minenr??umung, Schulung von Polizeikr??ften, Wiederherstellung von Strom- und Wasserversorgung - wird, ist unklar.


  • Syrische Bev??lkerung

Die gr????ten Verlierer sind die nach Sch??tzungen von Hilfsorganisationen die ??ber eine Million syrische Zivilisten, die im Nordosten des Landes leben. Wie viele es genau sind, ist unbekannt - erst dieses Jahr waren Zehntausende wieder nach Rakka und Deir al-Sor zur??ckgekehrt. Die Zahl der dort lebenden Binnenfl??chtlinge wird auf mehrere Hunderttausend gesch??tzt.

Wenn die K??mpfe in dieser Region nun erneut aufflammen, werden diese sich erneut auf die Flucht begeben m??ssen. Wie viele Zivilisten im Nordosten bereits dem Krieg zum Opfer gefallen sind, ist ebenfalls unklar. Allein in der Stadt Rakka sollen w??hrend der schlimmsten Gefechte 2017 in nur f??nf Monaten mindestens 1600 Zivilisten get??tet worden sein.



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