Anklage gegen Ex-VW-Chef Winterkorn Ende Einzelt??ter-Legende

Lange hatte VW behauptet, die Dieselaff??re sei nur das Werk einiger Ingenieure. Nun ist der ehemalige Vorstandschef Martin Winterkorn angeklagt worden - und der Konzern droht, seine Glaubw??rdigkeit zu verlieren.

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Als der Dieselbetrug im September 2015 aufflog, strickte sich der Volkswagen-Konzern eine Legende zurecht.

Demnach war der Vorstand von den Manipulationen v??llig ??berrascht worden. Bis dahin habe keiner der obersten Topmanager etwas von den illegalen Abschalteinrichtungen gewusst, die daf??r sorgten, dass Millionen von VW-, Audi- und Porsche-Fahrzeugen nur auf dem Pr??fstand sauber waren, im Realbetrieb auf der Stra??e hingegen ein Vielfaches der zul??ssigen Stickoxidwerte (NOx) ausstie??en. Einer der gr????ten Betrugsf??lle der j??ngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte, so die VW-Version, sei lediglich von einer kleinen Gruppe von Motorenspezialisten initiiert und durchgef??hrt worden.

Diese Version ist sp??testens jetzt nicht mehr zu halten.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat an diesem Montag Anklage gegen Martin Winterkorn erhoben - jenen Mann, der dem Konzern seit Anfang der Achtzigerjahre angeh??rt und ihn acht Jahre lang gef??hrt hatte. Er z??hlt - neben dem langj??hrigen Patriarchen Ferdinand Pi??ch - zu den Pers??nlichkeiten, die VW am st??rksten gepr??gt haben.

In Winterkorns ??ra entwickelte sich Volkswagen zum weltgr????ten Autohersteller. Die Staatsanw??lte sind ??berzeugt, dass der Dieselbetrug ohne das Wissen dieses Mannes, der als besonders technikverliebt und penibel galt, nicht h??tte passieren k??nnen. Sie werfen Winterkorn einen besonders schweren Fall des Betrugs, einen Versto?? gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb sowie Untreue vor. Winterkorn hatte jegliche Vorw??rfe gegen ihn stets bestritten.

Es gibt jedoch ein Dokument, das die Strafverfolger nun gegen ihn verwenden. Es stammt von Ende Mai 2014. Damals warnte der Leiter f??r Produktsicherheit das Management in Wolfsburg vor Untersuchungen der US-Umweltbeh??rden: Es seien Abgastests durchgef??hrt worden, dabei h??tten die Beh??rden erhebliche ??berschreitungen der gesetzlichen Grenzwerte festgestellt, bis hin zum Faktor 35.

Schielten die Manager auf ihre Boni?

Der VW-Manager schlug Alarm. "Eine fundierte Erkl??rung f??r die dramatisch erh??hten NOx-Emissionen kann den Beh??rden nicht gegeben werden", hei??t es in dem Schreiben. "Es ist zu vermuten, dass die Beh??rden die VW-Systeme daraufhin untersuchen werden, ob Volkswagen eine Testerkennung in die Motorsteuersoftware implementiert hat (sogenanntes defeat device)." Problematisch f??r Winterkorn: Das heikle Dokument soll ihm in einer Mappe, der sogenannten Wochenend-Post, am 25. Mai 2014 vorgelegt worden sein.

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Anklage im Abgasskandal: Der Fall des Martin Winterkorn

Daraufhin, so argumentieren die Staatsanw??lte, h??tte Winterkorn sofort die Initiative ergreifen m??ssen. Doch das tat er offenkundig nicht.

Nach Darstellung der Strafverfolger hat er es unterlassen, "nach Kenntnis der rechtswidrigen Manipulationen an Dieselmotoren" die Beh??rden in den USA und Europa zu informieren. Und seine Kunden ??ber den Betrug in Kenntnis zu setzen.

Als Motiv f??hren die Ermittler an, Winterkorn und die vier Mitbeschuldigten h??tten die Verkaufszahlen steigern wollen - und damit auch ihre Bonuszahlungen. Nach Angaben der Strafverfolger drohen den Beschuldigten bis zu zehn Jahre Haft.

Und wie reagiert der VW-Konzern? Er h??lt weiter an seiner Theorie fest, hinter dem Dieselskandal stecke kein systemisches Versagen eines ganzen Unternehmens. Schuld seien Einzelne. Der Konzern sprach von "individuellen Ermittlungen gegen Einzelpersonen". Volkswagen habe ja bereits eine milliardenschwere Geldbu??e bezahlt. Damit seien die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Konzern erledigt.

Ob das Unternehmen damit durchkommt, ist fraglich. Anw??lte von Kunden und Aktion??ren haben nur darauf gewartet, dass ein Mitglied des fr??heren Vorstands angeklagt wird. Rund um den Globus haben sie den Konzern verklagt, teils auf milliardenschwere Schadenssummen. Mit der Anklage der Staatsanwaltschaft Braunschweig im R??cken k??nnen die Kl??ger nun behaupten, der Betrug sei von h??chster Stelle zumindest mitgetragen worden. Selbst wenn sie mit ihren Forderungen nicht durchkommen: Der Imageschaden f??r VW ist immens. Die Glaubw??rdigkeit des deutschen Vorzeigekonzerns wird international Schaden erleiden, wenn sein langj??hriger Chef tats??chlich auf die Anklagebank muss.

Noch ist Winterkorn nicht verurteilt, f??r ihn gilt weiter die Unschuldsvermutung. Zun??chst muss das Landgericht Braunschweig die Anklage zulassen. Anschlie??end k??me es zu einem Prozess, der Jahre dauern k??nnte. Der Fall ist kompliziert. Doch f??r Volkswagen ist das kein Trost. Mit seiner Taktik, ??ber Jahre hinweg immer nur das N??tigste zuzugeben, hat der Konzern schon jetzt Vertrauen verspielt: vor der Justiz, bei der Politik - und beim Kunden.



insgesamt 195 Beitr??ge
Alle Kommentare ??ffnen
Seite 1
gruenerwaldgeist 15.04.2019
1. Sehr sch??n
Dann hoffen wir doch, dass er auch verknackt wird und sich nicht mittels teurer Anw??lte herauswinden kann. Es wird Zeit, dass wieder Anstand einkehrt in deutschen Vorstandsetagen. Auch wenn mir daf??r der Glaube fehlt.
spmc-135322777912941 15.04.2019
2. Welche Glaubw??rdigkeit ?
Diese Firma hat jegliche Glaubw??rdigkeit verloren, ein Skandal nach dem anderen.
isnogood444 15.04.2019
3. .....und der Konzern droht seine Glaubw??rdigkeit zu verlieren.
Nur die handelnden Menschen k??nnen glaubw??rdig sein, niemals ein rechtliches Konstrukt (Konzern).
flytogether 15.04.2019
4. Wer will schon gerne ein Auto
von diesem Betr??gerverein kaufen. Ich habe mir statt einem Polo einen Mazda2 bestellt. Bisher wurde diese Firma noch nicht wegen Mauscheleien beim Abgasverhalten erw??hnt.
michiansorge 15.04.2019
5. Das Schlimme ist:
Wenn seine Schuld bewiesen wird, gibt es vielleicht eine Bew??hrungsstrafe und ein paar Hundertausend oder Millionen Bussgeld. Vielleicht kann er sich erstmal nicht mehr auf der Strasse blicken lassen. Aber trotzdem d??rfte ihn das nicht allzu hart treffen und genug Geld ??brig bleiben um gut leben zu k??nenn. Wenn aber die Kunden nun endg??ltig das Vertrauen in VW, Audi, BMW, Mercedes etc. verlieren und vermehrt ausl??ndische Fahrzeuge kaufen, wird das zwangsl??ufig zu einem mehr oder weniger massiven Jobverlust f??hren. Und zwar auf einer Stufe, auf der sich die Mitarbeiter durchaus Gedanken um ihre Zukunft machen m??ssen. Und wie ??blich das alles wegen der Gier der Teppichetage. Und das bei einem Konzern, der 2018 und 2017 jeweils gut um die 17 Mrd Euro Gewinn gemacht hat.
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